Handelsexperte im Interview

„Der Preiskampf im Einzelhandel macht die Marken kaputt“

Bremen. Die Discounter Aldi und Lidl liefern sich derzeit eine beispiellose Preisschlacht. Mit einem besonders günstigen Energy-Drink bei Aldi fing alles an. Jetzt sind auch Markenprodukte wie Lenor, Funny Frisch oder Hohes C billig wie nie. Sogar Kaufland zieht mit. AKTIV sprach mit Professor Peter Rose, Handelsexperte der Hochschule Bremen.

Warum ist der aktuelle Preiskampf so aggressiv?
Es geht diesmal um Markenprodukte. Aldi führt seit etwa zweieinhalb Jahren immer mehr davon ein – und nutzt sie jetzt gezielt für Lockvogel-Angebote. Dabei waren Markenartikel lange die Domäne von Lidl.

Der Kunde freut sich!
Das stimmt. Für die Artikelhersteller ist die Unterbietung der Preise, die wir derzeit erleben, allerdings dramatisch. Zumal immer mehr Supermärkte auf den Zug aufspringen.

Was ist daran dramatisch?
Markenprodukte leben von ihrem Qualitätsversprechen und einem höheren Preis. Sie gelten als nicht austauschbar. Ramschpreise verwässern das Image von Marken und machen es kaputt. Das werden die Hersteller auf Dauer nicht zulassen, da bin ich mir sicher. Auch die Discounter gehen ein ziemlich großes Risiko ein.

Inwiefern?
Aldi und Co. erzielen ihre hohen Margen in erster Linie mit eigenen, günstigen Handelsmarken. Stehen die nun im Regal neben ebenso billigen Markenprodukten, fallen sie dem Kunden bald nicht mehr auf.

Warum wählt Aldi dann überhaupt diesen Weg?
Wir erleben eine Rückkehr zu Qualität und Wertigkeit. Klassische Supermärkte gewinnen Marktanteile. Als Discounter muss man sich also was einfallen lassen. Eigenmarken alleine locken nicht, die gibt es vielerorts. Die Zeiten, in denen die Leute für Sonderangebote Schlange standen, sind auch lange vorbei.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang