Leitartikel

Der Ölpreis ist Zufall

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Als das Fass Erdöl 110 Dollar kostete, so wie noch im Sommer letzten Jahres, wollten uns manche Experten weismachen: Die Quellen gehen zur Neige! Inzwischen sind es 50 Dollar, und siehe da, auch das hat angeblich einen simplen Grund: Es ist Schlussverkauf! Die Scheichs wollen Kasse machen, bevor die Welt auf Ökostrom umstellt!

Beide Vorstellungen sind falsch – und gefährlich. Wer einen auf Dauer steigenden Ölpreis für naturgegeben hält und deshalb eine Energiewende nach dem Motto „koste es, was es wolle“ propagiert, kann unser Land am Ende ruinieren. Umgekehrt dürfen wir uns von den aktuellen Begleiterscheinungen des Ölpreis-Verfalls (null Inflation, null Zinsen, null Staatsverschuldung) keinesfalls einlullen lassen.

Eine umsichtige Politik gibt nichts auf fundamentalistische Theorien zum Ölpreis. Sie geht besser davon aus: Er ist Zufall! Wie die Kugel im Roulette hängt er von einer Vielzahl von Einflüssen ab, und es ist nicht ratsam, zu zocken. Keiner weiß, ob sich die Opec nicht bald wieder zusammenrauft und den Preis nach oben treibt. Oder wie sich die Investitionen in neue Förderung, etwa aus Ölschiefergestein in Amerika, entwickeln.

Laut Prognose der Internationalen Energieagentur deckt die Welt auch im Jahr 2040 noch drei Viertel ihres Energiebedarfs mit fossilen Brennstoffen – und womöglich eröffnet der technische Fortschritt irgendwann eine klimaschonendere Nutzung. Auch als Ausgangsprodukt für die Chemie ist Öl aus heutiger Sicht nicht wegzudenken. Statt Schlussverkauf erleben wir nur eine Phase günstiger Preise. Zum Glück. Es macht zurzeit in Deutschland vieles leichter.


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