Elektronischer Identitätsnachweis: Wie weit ist Deutschland?

Der neue, schlaue Personalausweis hat noch nicht viele Freunde


So geht’s: Mit Lesegerät und PIN kann man sich online ausweisen. Foto: dpa

Berlin. So richtig begeistert sind die Bürger von der digitalen Zukunft noch nicht: Seit Ende 2010 gibt es den Personalausweis im Scheckkartenformat, rund 22 Millionen Menschen haben ihn schon – aber nur schätzungsweise jeder Dritte hat die „eID-Funktion“ freigeschaltet.

Das Kürzel steht für den „elektronischen Identitätsnachweis“: Laut Gesetz kann man den neuen Ausweis verwenden, um „seine Identität gegenüber öffentlichen und nichtöffentlichen Stellen elektronisch nachzuweisen“ – also zum Beispiel per Internet. Dafür benötigt man auch eine persönliche Geheimzahl (PIN) und ein Lesegerät, richtig bequem ist die Sache also nicht. Detlef Borchers, Autor für das Computer-Magazin „c’t“, erwartet dennoch, dass die Nutzung zunimmt: „Künftig wird sich da einiges ändern, denn im Juni wurde das E-Government-Gesetz verabschiedet.“

Es gibt Bund, Ländern und Kommunen einen Rechtsrahmen, um „einfachere, nutzerfreundlichere und effizientere elektronische Verwaltungsdienste“ zu entwickeln, so das Innenministerium.

Ein Vorreiter ist die Bundesdruckerei in Berlin: Sie  bietet zusammen mit einer Bank einen Geldautomaten an, an dem mit dem Ausweis abgehoben werden kann.

Was sonst schon geht, listen die Seiten www.ccepa.de und personalausweisportal.de auf. Noch ist das Angebot übersichtlich. „Neue Dienste bieten beispielsweise die Städte Münster, Hagen und Kitzingen“, so Borchers. Oft kann der Ausweis da schon die Unterschrift ersetzen: Man füllt ein Formular der Stadtverwaltung am PC aus, weist seine Identität online nach – und muss nicht mehr aufs Amt gehen. „Sicherheitstechnisch ist der Personalausweis ausgezeichnet“, betont Borchers.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland im Mittelfeld: „Es gibt Länder, wo mehr damit gemacht wird“, weiß Pablo Mentzinis, E-Government-Experte beim Branchenverband Bitkom. So seien in einigen Gegenden Italiens der Ausweis, die Gesundheitskarte und das Ticket für den Nahverkehr gekoppelt.

Künftig sollen die nationalen Systeme angeglichen werden, sodass die Funktionalität nicht mehr an der Grenze endet. „Das wird auch große Unternehmen anspornen, auf eID zu setzen“, so Mentzinis.

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