Leitartikel

Der neue Leichtsinn bei den Arbeitskosten

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Was wäre, wenn wir alle bei der nächsten Lohnrunde 2 Prozent extra obendrauf bekämen? Die für die Stabilität des Wirtschaftskreislaufs zuständige Bundesbank hält dieser Verlockung jetzt eine alarmierende Modellrechnung entgegen.

Hintergrund ist der neue Leichtsinn bei den Arbeitskosten. Angesichts des hohen deutschen Export-Überschusses ist von gewerkschaftsnahen Ökonomen zu hören: Lasst uns doch alle ein bisschen weniger wettbewerbsfähig werden! Dann kommen unsere Kollegen in Südeuropa, wo zuletzt so viele Jobs verloren gegangen sind, ganz easy wieder auf die Füße!

Schön wär’s. In Wahrheit, fasst Bundesbank-Präsident Jens Weidmann die Modellrechnung zusammen, hätte so was eine verheerende Wirkung. Schon durch eine einzige „zusätzliche Lohnsteigerung von 2 Prozentpunkten über dem Wert, der normalerweise als Ergebnis von Tarifverhandlungen zu erwarten wäre“, würde die Beschäftigung in Deutschland „um 1 Prozent zurückgehen“. Das wären locker 300.000 verlorene Stellen.

Und die Südländer hätten, wenn wir uns auf diese Weise absichtlich schwächer machen würden, gar keinen Vorteil: „Angesichts der Art der Handelsströme“, so Weidmann, „wären die Auswirkungen auf die Ausfuhren von Ländern am Rand des Euro-Gebiets nahezu gleich null.“

Warum, ist leicht erklärt. Erstens hat der Löwenanteil unseres Überschusses nichts mit Euro-Land zu tun, sondern mit Boom-Regionen in Übersee – die sich etwa mit deutschen Spezialmaschinen fit machen. Und zweitens stecken in unserem Export 40 Prozent Import: Es hängen daran auch Zulieferer etwa in Italien oder Spanien. Leichtsinn bei den Arbeitskosten ist brandgefährlich. Für alle.


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