Modellautos

Der Mann für die Millimeter


Sammler­stücke: Marc Hufenbecher mit einem Audi 90 IMSA-GTO von 1989 (links) und dem Modell eines 225 Front Roadsters aus dem Jahr 1936. Foto: Karmann

Marc Hufenbecher steuert die Modellautos von Audi

 

 

Ingolstadt. Sachte holt er das Modell aus der Vitrine, nimmt die Motorhaube ab und fährt mit dem Finger behutsam über die filigranen Kabel: „Die führen zu den Zündkerzen hier“, sagt Marc Hufenbecher (50) mit ernstem Blick. „Wie beim richtigen Auto.“

 

 

 

Nur eben viel, viel kleiner. Bei diesem Audi 90 IMSA-GTO im Maßstab 1:18 sind die Teile sehr detailgetreu nachgebildet. Es ist der Wagen des legendären bayerischen Rallyefahrers Walter Röhrl von 1989. Der filigrane Nachbau ist eines von Hufenbechers Lieblingsstücken. Er steht in der größten Vitrine in seinem Büro.

 

 

 

Die Modellautos stapeln sich förmlich in den Glaskästen. Denn schon seit 1997 ist dieser Mann für alle Miniaturen von Audi verantwortlich. Er gibt den Produzenten der Sammler- und Spielzeugautos alle Informationen und vergibt die Lizenzen. So fährt jeder der knapp 100 „kleinen Audis“, die jedes Jahr neu herauskommen, vorher zur Freigabe auf Hufenbechers Schreibtisch in Ingolstadt vor.

 

 

 

Hufenbecher geht dabei systematisch ans Werk: Eineinhalb Jahre vor Serienstart des „echten“ Fahrzeugs sucht er aus mehreren großen Modellauto-Herstellern einen aus, schickt ihm Daten und Hunderte Fotos aus dem Innenraum des Prototypen – und lässt ihn strenge Geheimhaltungsregeln unterschreiben.

 

 

 

Auflage mitunter über 100.000

 

 

 

„Kein Design- oder Technikdetail darf vor der ersten Präsentation des echten Modells nach außen dringen“, sagt Hufenbecher. An den Vorstufen zum fertigen Modellauto, „Mock up“ genannt, prüfen Hufenbecher und Kollegen aus der Design-Abteilung jede Kante, messen millimetergenau nach und schauen, ob die Proportionen der Karosserien, Räder und Heckspoiler angepasst sind.

 

 

 

Stimmt alles, laufen bis zu 50.000 Stück vom Band, oft in China. Renner wie der Sportwagen R8 werden sogar über 100.000 Mal produziert.

 

 

 

Platz für winzige Gags

 

 

 

In den Regalen von Fachhändlern oder Spielzeugläden steht jede Miniatur immer erst dann, wenn es auch den „großen“ Wagen zu kaufen gibt. Wie beim großen Vorbild dauert ein Modellzyklus in der Regel sieben Jahre.

 

 

 

Platz für Gags gibt es auch: Hufenbecher erinnert sich an eine Sonnenbrille, die „serienmäßig“ in die Mittelarmlehne eines A4-Cabrios gelegt wurde. „Die hatte die Länge des Nagels am kleinen Finger“, erzählt der Industrie-Kaufmann und zweifache Vater, der in Frankfurt geboren und in Paris aufgewachsen ist.

 

 

 

Selbst würde er gern einmal eine „Ente“, den kultigen Citroën 2CV, nachbauen. Das Original hat er schon in der Garage.

 

 

 

Meine Arbeit

 

 

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

 

 

 

Die Leidenschaft fürs Automobil lag schon in der Familie und kam über meinen Großvater und Vater zu mir. Und dann habe ich mein Hobby „Modellauto“ zum Beruf gemacht.

 

 

 

Was reizt Sie am meisten?

 

 

 

Genaues Arbeiten, damit die Modelle auch vor den Augen kritischer Sammler bestehen.

 

 

 

Worauf kommt es an?

 

 

 

Auf Präzision. Die ist für mich oberstes Gebot. Da kann ich auch manchmal geradezu kleinlich wirken. Aber ich will die ideale Miniatur für unsere Audi-Fans – und das 1000-fach.

 

 

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