Hausgemachtes Problem

Der Luftverkehr legt weltweit kräftig zu – außer in Deutschland

Flughafen München: Wer hierzulande startet, muss eine spezielle Abgabe zahlen. Foto: Reuters

Berlin. Der weltweite Luftverkehr hat starken Aufwind, doch bei uns ist die Branche eher – flügellahm. Sie leidet vor allem unter einer Spezialsteuer.

Im ersten Halbjahr 2015 legte der internationale Flugverkehr bei den verkauften Personenkilometern gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut 6 Prozent zu, so neueste Zahlen des Airline-Weltverbands IATA. Die vier deutschen Gesellschaften erreichten da nur ein Wachstum von 2,5 Prozent.

Auch die Bilanz der Flughäfen sieht im internationalen Vergleich mager aus. Mit 100 Millionen Passagieren im ersten Halbjahr stieg das Aufkommen an den heimischen Airports zwar um 4 Prozent. Doch die Flugplätze in westeuropäischen Nachbarländern waren besser. So erzielten etwa die Airports in Belgien im Schnitt ein Plus von knapp 10 Prozent.

Das hat einen Grund: Die ausländischen Flughäfen nahe der deutschen Grenze profitieren indirekt von der Luftverkehrsteuer, die nur hierzulande bei den Starts anfällt.

Zu entrichten ist sie von den Airlines, die weichen deshalb gern auf Flughäfen wie Brüssel oder Amsterdam aus. Laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) haben die Flughäfen im grenznahen Ausland seit Einführung der Steuer vor vier Jahren ein Passagierplus von rund 46 Prozent erzielt.

Zudem schmälert die Abgabe vor allem die Gewinne von Lufthansa, Air Berlin und Co., die praktisch alle Inlandsflüge abwickeln. Und auf die fast zwei Drittel sämtlicher Starts in Deutschland entfallen.

Während alle Gesellschaften weltweit im Schnitt pro 100 Euro Umsatz einen Gewinn von 4,60 Euro machen, sind es bei den deutschen nur 90 Cent. Allein die Belastung durch die Luftverkehrsteuer beträgt laut BDL je 100 Euro Umsatz 1,70 Euro.

Seit Einführung der Steuer haben die deutschen Airlines insgesamt 2,4 Milliarden Euro an den Fiskus gezahlt. Das Geld fehlt für Investitionen etwa in umweltfreundliche Maschinen, so BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch: „Davon hätten die Unternehmen 34 besonders sparsame und leise Modelle des neuesten Airbus A 320 kaufen können.“


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