Bundesliga

Der Kick für Millionen

Irres Finale – und Wahnsinns-Gehäter: Ist der Spaß wirklich so viel Geld wert?

Frankfurt. Diese Liga ist der Hammer! Dramatik pur bis zum Schluss: Wolfsburg als Überraschungs-Meister, der BVB verspielt die Qualifikation für die neue „Euro League“ in letzter Minute, Bielefeld muss runter. Bei all der Hochspannung verdrängen wir Ball-Junkies nur zu gern, dass der moderne Fußball vor allem eines ist: ein Riesen-Geschäft!

Woche für Woche pilgern wir Fans in die Stadien, zahlen Eintrittsgeld, kaufen Fan-Artikel oder löhnen für „Premiere“. Da kommt ordentlich was zu­sammen. Der Um­satz der 18 Erst­liga-Vereine kletterte letztes Jahr um 8 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro – 100-mal so viel wie in der ersten Bundesliga-Saison 1963/1964. Das steht im „Bundesliga Report 2009“, den die Deutsche Fußball Liga jetzt in Frankfurt veröffentlicht hat.

Im Durchschnitt 1.250.000 Euro pro Jahr

Und wo geht die ganze Kohle hin? Ein großer Teil wandert direkt in die Taschen der Spieler. Dem Bericht zufolge zahlten die Klubs der Ersten Liga ihrem ki­ckenden Personal zuletzt 627 Mil­lionen Euro Gehalt pro Jahr.

Rund 500 Profi-Kicker stehen bei ihnen unter Vertrag – sie verdienen also im Schnitt 1,25 Millionen Euro. Nicht schlecht, oder? Was hier verwundert: Wäh­rend die ebenfalls hohen Saläre von Top-Managern immer wieder öffentlich gegeißelt werden, scheint niemand einem Franck Ribéry dessen geschätzte 3,75 Millionen Euro (netto!) pro Jahr zu neiden.

Zum Vergleich: Bundespräsident Horst Köhler, der an diesem Sonntag auf seine „Vertragsver­längerung“ hofft, verdient exakt 199.000 Euro – brutto.

Sicher: Wenn Bankern, die mit ihrer Zockerei die Weltwirtschaft in Schieflage bringen, noch Mil­lionen-Abfindungen hinterhergeworfen werden, dann erregt das zu Recht die Gemüter. Aber hat man auch nur ein Nörgeln darüber ge­hört, dass dem rausgeworfenen Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann der vorzeitige Ab­schied von der Trainer-Bank nach Presseberichten ebenfalls mit 5 bis 10 Millionen Euro versüßt wird?

Kritik an den horrenden Ge­hältern im Fußball kommt aus­gerechnet von einem, der selbst davon profitiert. Nationalspieler Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart antwortete unlängst auf die Frage, ob der Gehaltsunterschied zwischen einem Fußballer und einer Kinderkrankenschwes­ter gerecht sei:

„Krankenschwes­tern arbeiten mehr, haben mehr Verantwortung. Auf der ande­ren Seite sind da 20-jährige Fußball-Millionäre. Das ist nicht gerecht.“


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