Leitartikel

Der Kapitalismus und die Ärmsten der Welt

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Die Nachricht machte keine Schlagzeilen, das Bild von den händeschüttelnden Außenministern Irans und Amerikas lief ihr den Rang ab. Doch was da ebenfalls auf der jüngsten Uno-Vollversammlung publik wurde, kann man auf jeden Fall historisch nennen: Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus hat sich der Anteil der Ärmsten in der Welt halbiert.

Anders als in der deutschen Debatte, in der man die Grenze zur „strengen Armut“ mit „40 Prozent des mittleren Einkommens“ relativ weit zieht, geht es hier ums nackte Überleben: 1,25 Dollar pro Tag – darunter beginnt nach der Uno-Definition existenzielle Not. Der Anteil der Menschen, die davon betroffen sind, hat sich seit 1990 in den Entwicklungsländern von 47 auf 22 Prozent verringert.

Teuerung und Wechselkursschwankungen werden beim Vergleich von damals und heute natürlich rausgerechnet. Man darf jetzt nicht zufrieden sein: Noch immer leidet ein Achtel der Weltbevölkerung Hunger, mahnt Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon.

Aber man darf immerhin festhalten: Die Welt wird besser. 700 Millionen Menschen weniger unter einer kritischen Schwelle, trotz wachsender Weltbevölkerung! Und die Halbierung der Armutsquote, einst auf einem „Milleniumsgipfel“ feierlich proklamiert, wurde deutlich vor der Zeit erreicht. Der Fall des Eisernen Vorhangs, der auch die Dritte Welt in Machtsphären von Amerika und Russland geteilt hatte, setzte in vielen Regionen Kräfte frei, ließ Wohlstand gedeihen.

Und die Globalisierung, der oft beinharte Wettbewerb der Standorte um Investoren: Der moderne Kapitalismus geht, anders als viele glauben, insgesamt nicht auf Kosten der Ärmsten. Im Gegenteil.


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