Standort D

Der Kampf wird härter


Um an der Spitze zu bleiben, muss die Industrie noch mehr für Forschung und Entwicklung ausgeben

 

 

Rosenheim/Leer. In der Wirtschaft ist es ganz ähnlich wie im Sport: Um an die Spitze zu kommen, muss man sich mächtig anstrengen. Aber noch schwieriger ist es dann, ganz vorne zu bleiben, den Spitzenplatz zu verteidigen…

 

 

 

Professor Anton Kathrein kennt diesen Erfolgsdruck gut. Lange schon ist er mit seinem Unternehmen Weltmarktführer für Antennen-Systemtechnik zum Senden und Empfangen von Mobilfunk, Radio oder Fernsehen; allein in Deutschland gibt die Firma aktuell fast 4.300 Menschen Arbeit. Kathrein sagt deutlich: „Um die Nummer eins zu bleiben, müssen wir jeden Tag kämpfen. Und das ist wesentlich härter als früher.“

 

 

 

Ausland holt mächtig auf

 

 

 

Dafür gibt es in erster Linie zwei Gründe, so der geschäftsführende Gesellschafter der Kathrein-Werke im oberbayerischen Rosenheim. Zum einen ist da die wachsende Konkurrenz – vor allem in Asien. Und zum anderen hat sich das Innovationstempo deutlich verschärft.

 

 

 

„Wer da nicht Schritt hält, verschwindet vom Markt“, warnt der Unternehmer. Er erklärt das am Beispiel Mobilfunk: Alte Standards (das C- und D-Netz) gab es 10 bis 15 Jahre lang – neue (wie UMTS) hielten sich kaum halb so lange. „Und es wird immer noch schneller“, stellt Kathrein fest. Das bedeutet, dass mehr Geld für Innovationen nötig wird: Vor 20 Jahren genügten ihm für Forschung und Entwicklung noch Ausgaben in Höhe von 2 bis 3 Prozent des Jahresumsatzes. „Inzwischen sind es aber 6 bis 7 Prozent.“

 

 

 

Keine Ausnahme, wie Oliver Koppel weiß. Der Ökonom vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat Statistiken des Europäischen Patentamts ausgewertet – und festgestellt: Das Ausland holt mächtig auf.

 

 

 

So bekamen zum Beispiel Erfinder aus Deutschland im Vorjahr stolze 72 Prozent mehr Elektrotechnik-Patente erteilt als noch 2001. Die Zahl der ausländischen Patente stieg im gleichen Zeitraum jedoch stärker, um 86 Prozent!

 

 

 

„Konkurrenzdruck enorm gewachsen“

 

 

 

Dazu kommt: „Die Menge  der erteilten Schutzrechte wächst sogar schneller als der technologische Fortschritt an sich“, sagt der IW-Forscher. „Auch in den Nischenmärkten wird der Bewegungsspielraum also immer kleiner – der Konkurrenzdruck ist enorm gewachsen.“

 

 

 

Die Metall- und Elektro-Industrie habe darauf in den letzten Jahren aber genau richtig reagiert: „Die ganze Branche hat ihre Innovationsaufwendungen kräftig erhöht“, erklärt Koppel, „allen voran die Maschinenbauer.“

 

 

 

 

 

 

 

Ausruhen dürfe man sich deshalb aber nicht: „Forschung und Entwicklung müssen auch weiterhin höchste Priorität haben – das ist von elementarer Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe.“

 

 

 

Mehr Geld für zukunftssichernde Neuerungen lockerzumachen – das ist nicht so einfach, wenn es auch an anderen Fronten härter zur Sache geht als früher.

 

 

 

Energie – Dass unsere Betriebe für Strom und Gas mehr zahlen müssen als die meisten ausländischen Konkurrenten, darüber hat AKTIV ja schon berichtet. Aktuell unterstreicht zum Beispiel Folkmar Ukena, Geschäftsführer und Mitinhaber des Ofenbauers Leda im ostfriesischen Leer: „Die seit Jahren steigenden Energiekosten machen uns schwer zu schaffen – trotz zahlreicher Modernisierungsmaßnahmen.“

 

 

 

Die Energiewende bereitet dem Chef von 170 Mitarbeitern Sorgen: „Wenn die Prognosen der Experten stimmen, wird der Zuschlag für die erneuerbaren Energien weiter steigen“, so Ukena. „Das ist dann kaum noch finanzierbar und schwächt unsere Wettbewerbsfähigkeit erheblich.“

 

 

 

Rohstoffe – Die im ersten Halbjahr stark gestiegenen Preise kann selbst ein Industrie-Gigant wie Bosch (gut 114.000 Beschäftigte in Deutschland) „über Sicherungsgeschäfte nur teilweise kompensieren“. So sagte es Bosch-Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer der „Börsen-Zeitung“. Seine Prognose: „Der speziell aus den Schwellenländern getriebene Trend steigender Preise wird uns erhalten bleiben.“

 

 

 

Fachkräfte – Zurück  nach Rosenheim, wo Professor Kathrein in die Zukunft der Firma investieren möchte, es aber nicht so ohne Weiteres kann: „Für Forschung und Entwicklung suche ich schon seit einiger Zeit 60 Ingenieure und Techniker“, sagt er.

 

 

 

Lasse sich diese Lücke hier nicht bald schließen, sei er gezwungen, solche Aufgaben zu verlagern. Zum Beispiel nach  Rumänien – wo Kathrein ja schon heute produziert.

 

 

 

CvF/Hof/JH/SGS

 

 

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