Einzelhandel

Der Kampf um Kunden wird härter


Das freut den Handel: Volle Geschäfte in der Vorweihnachtszeit. Foto: WAZ

München/Köln. Auf dem Wunschzettel des Einzelhandels steht das alle Jahre wieder oben: im Weihnachtsgeschäft viele Kunden mit viel Lust zum Geldausgeben. Nur so können die Läden im November und Dezember ein Fünftel ihres Jahresumsatzes erzielen.

2012 bringt der Endspurt nach Schätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) gut 80 Milliarden Euro in die Kassen. Eineinhalb Prozent mehr als in den letzten Wochen des vergangenen Jahres.

Rechnet man die Preissteigerungen raus, verwandelt sich der Zuwachs aber in ein Mini-Minus von einem halben Prozent. Eine solche Stagnation erwartet der HDE für das gesamte ablaufende Jahr.

Das ist zu wenig für manche Händler, um im harten Konkurrenzkampf zu bestehen. „Der Verdrängungswettbewerb ist gigantisch und verschärft sich weiter“, stellt zum Beispiel Martin Aigner fest, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern.

„Zu viele Baumärkte und Textilhändler“

Denn die Verkaufsfläche wächst jedes Jahr in Deutschland um rund eine Million Quadratmeter. Zum Vergleich: Der Zwergstaat Monaco misst gerade mal zwei Millionen Quadratmeter.

Ein Grund: Viele Händler machen sich lieber breiter, als den Platz einem Konkurrenten zu überlassen, so Aigner. Zuletzt verkauften sie insgesamt auf mehr als 122 Millionen Quadratmetern. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub warnt vor „enormen Überkapazitäten“ im Einzelhandel. „25 bis 30 Prozent der Ladenfläche sind überflüssig“, klagte er vor kurzem in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“. Es gebe vor allem zu viele Baumärkte und Textilhändler. „Über kurz oder lang wird sich da etwas tun.“

Haub rechnet mit mehr Schließungen und Pleiten in den nächsten Jahren. Bisher sind die Zahlen unauffällig: Mit rund 3.100 Insolvenzen 2012 – das schätzt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform – ist die Quote im Handel etwa so groß wie im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft. Insgesamt gibt es rund 400.000 Einzelhandels-Unternehmen.

Was aber die Situation für einige verschärfen wird: Die Ladenmieten an den besten Standorten – sogenannte 1a-Lagen etwa in belebten Fußgängerzonen – sind hoch und steigen weiter. Andererseits gibt es Chancen auch in etwas abseits gelegenen Straßen – mit treuen Stammkunden. „Der Händler selbst muss eine Marke sein“, empfiehlt Susanne Eichholz-Klein von IFH Retail Consultants in Köln, einer Beratungsfirma für den Handel.

Wie das geht? Mit einem Angebot in einer Nische und viel Engagement, sagt die Expertin. Als Beispiele nennt sie ein Spezialgeschäft für Regenschirme in Köln sowie ein kombiniertes Café und Damenmode-Haus in Berlin.

Und in Dresden gibt’s einen Laden, der von Zutaten bis Formen alles zum Backen anbietet – vor Weihnachten besonders gefragt.

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