Das Projekt hat Bedeutung für ganz Deutschland

Der Kampf um die Vertiefung der Elbe


Hamburg. Es war ein enger Schulterschluss. Bei den Hafenarbeitern, viele in gelber oder orangefarbener Arbeitskleidung, hatten sich Spitzenvertreter der regierenden SPD, der CDU und der FDP eingereiht. Gemeinsam demonstrierten sie in Hamburg für die Vertiefung der Elbe, die ein Kundgebungsredner als „Schicksalsfrage“ bezeichnete.

Richter stimmen Umweltschützern zu

Rund 150.000 Arbeitsplätze in Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sieht die Gewerkschaft Verdi in Gefahr.

Grund dafür ist eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig, das Ausbaggern der Elbe vorerst zu stoppen. Die Richter hatten im Oktober einem Eilantrag von Umweltschützern stattgegeben. Jetzt steht eines der größten deutschen Infrastrukturprojekte auf der Kippe.

Geplant ist, die Elbe auf den 130 Kilometern zwischen der Nordsee und Hamburg zu vertiefen, damit der Hafen künftig von Riesenschiffen mit bis zu 14,50 Metern Tiefgang angefahren werden kann, gut 1 Meter mehr als bisher.

„Das ist dringender denn je“, sagt Gunther Bonz, Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, „weil die großen Reedereien immer mehr Schiffe mit einer Kapazität von mehr als 10.000 Standard-Containern in Dienst stellen.“

Die Sorge: Wenn es nicht bald losgeht, gerät Hamburg im Wettbewerb mit den Häfen in Rotterdam und Antwerpen ins Hintertreffen. Auch der gerade eröffnete Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, Deutschlands einziger Tiefwasserhafen, könnte Hamburgs Vormachtstellung gefährden.

Bereits seit 2006 wird um die Elbvertiefung gerungen. Die Kosten von 400 Millionen Euro soll im Wesentlichen der Bund übernehmen. Das Vorhaben hat bundesweite Bedeutung: Deutschlands größter Seehafen Hamburg ist nicht nur einer der wichtigsten Arbeitgeber und Jobmotor für viele Betriebe in der Region, sondern auch Drehkreuz.

Strategisch wichtige Verbindung

Wegen seiner geografischen Lage, so das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut, sei der Hafen für viele Regionen in Deutschland, Osteuropa und Skandinavien kostengünstigste Anlaufstelle auf der „Nordrange“ – der Verbindung der großen Nordseehäfen. Sollte er diese Funktion verlieren, würden die Transportkosten steigen. Die Folge wären höhere Handelspreise – und weniger Wohlstand.

Entsprechend ungeduldig zeigt sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Es sei „schwer zu ertragen, wie lange Großprojekte von Planung bis Umsetzung dauern“.

Er setzt darauf, dass das Bundesverwaltungsgericht in der noch ausstehenden Hauptverhandlung zugunsten der Elbvertiefung entscheidet. Tausende Hafenarbeiter hoffen das auch.

Arbeitsplätze oder Umwelt – was hat Vorrang?

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Schlagwörter: Wettbewerb Verkehr

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