Leitartikel

Der Gewerkschaftsbund als Seniorenlobby

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

Weniger netto vom Brutto – nach dieser seltsamen Devise macht dieser Tage der Deutsche Gewerkschaftsbund mobil. Die Senkung des Rentenbeitrags zum Jahreswechsel, von 18,9 auf 18,4 Lohnprozente, sei „unerwünscht“, heißt es. Als ginge es um die Einführung der 60-Stunden-Woche oder die Stationierung von NSA-Agenten in den Betrieben.

Man ist empört über eine Entlastung aller Arbeitnehmer, die vom ersten Euro an greift. Und fordert allen Ernstes sogar eine Beitragsanhebung: von 2014 bis 2019 um 0,3 und dann bis 2025 um 0,2 Prozentpunkte – Jahr für Jahr!

Insgesamt kalkuliert der DGB mit 450 Milliarden Euro extra. Dass es wohl weniger wären, weil höhere Lohnnebenkosten Jobs vernichten, wird ausgeblendet. Das Geld wird auch gleich verplant: Es geht an die Ruheständler.

Warum verrennt man sich so bei der Rente? Und ist so beinhart gegen die schrittweise (und teilweise!) Anpassung des Renteneintrittsalters an die höhere Lebenserwartung?

Das wird auch DGBintern hinterfragt. Ein Fünftel aller Gewerkschaftsmitglieder sind Rentner, in vielen Ortsvereinen prägen sie das Geschehen; auch die übrigen Mitglieder sind älter als die Gesamtheit der Arbeitnehmer. Man werde zum „Interessenvertreter der älteren Generation“, warnt eine Studie, publiziert 2011 von der DGB-eigenen Hans-Böckler-Stiftung.

Im „Organisationsgefüge“, so heißt es weiter, könnten womöglich „die Gegenwartsinteressen der Älteren im Ruhestand nicht mehr mit den Zukunftsinteressen der erwerbstätigen Jungen ausbalanciert werden“. Dadurch entstehe „ein Zielkonflikt hinsichtlich der Kernfunktion als Arbeitnehmervertretung“.


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