Leitartikel

Der Fall Air Berlin – und kluge Wirtschaftspolitik in Aktion

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Zurücklehnen, entspannen, Flug genießen: Jährlich eine Viertelmilliarde Passagiere in Deutschland darf das ganz selbstverständlich erleben. Weil drumherum alle ihren Job beherrschen – die Flugzeugbauer, das Bordpersonal, die Leute im Tower.

Und ja: auch die Politiker. Der Massenluxus Luftverkehr – er ist auch ihr Verdienst. Eindrucksvoll haben sie uns in den letzten Wochen vor Turbulenzen bewahrt; auch für die Zukunft halten sie die Aussicht stabil.

Dabei war das Vorkommnis ein schwerwiegendes: Am 15. August meldete die zweitgrößte deutsche Fluglinie Air Berlin Insolvenz an. Schon die erste Reaktion hatte es in sich: Mit 150 Millionen Euro ermöglichten Bundesregierung und EU-Kommission die Fortsetzung des Flugbetriebs. Sonst hätten 300.000 Urlauber sehen müssen, wie sie wieder heimkommen.

Das Geld ging nicht flöten, ein solcher„Massekredit“ würde aus einer Konkursmasse vorrangig bedient. Während die Urlauber pannenfrei nach Hause flogen, trat – Phase zwei – das Insolvenzrecht in Aktion. Die Politik hat es im Jahr 2012 umfangreich modernisiert, um Pleitefolgen für die Allgemeinheit, so gut es geht, zu mindern.

Und gelassen darf man auf mittlere Sicht nun auch Phase drei verfolgen: Wie intensiv bleibt der Preiskampf bei Flugtickets, wenn nach dem Ende des Bieterwettkampfs nun das 135 Ziele starke Streckennetz von Air Berlin übernommen beziehungsweise ausgedünnt wird?

Die Politik hat auch hier vorgesorgt: durch die EU-weite Liberalisierung der Branche, strenge Fusionskontrolle und die Option, Start- und Landerechte gezielt an neue Anbieter zu geben. Ein Rückfall in Zeiten, in denen Fliegen nur für Reiche bezahlbar war, ist ausgeschlossen.


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