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Der Duft des schwarzen Goldes


Zwei Männer steigen aus, um Kaffee zu rösten

Mannheim. Rotgold glänzt die antik wirkende Röst-Maschine. Sie rappelt leise, köstlicher Kaffeeduft durchzieht die nüchterne Fabrikhalle.  „Riecht das nicht herrlich?“, fragt Enver Atabay, einer der beiden Inhaber der kleinen Kaffee-Rösterei „Helder & Leeuwen“ in Mannheim.

Ein Arbeitsplatz, um den ihn viele Kaffeefreunde beneiden dürften. Früher saß der Steuerberater in einem Büro. Zusammen mit Unternehmensberater Alparsian Üründül. Schnell entdeckten beide, dass sie Leidenschaft für Kaffee verbindet.

Doch bevor sie diese Leidenschaft zum Beruf machten, führten sie eine Marktanalyse durch. Pro Jahr trinkt jeder Deutsche im Schnitt 150 Liter Kaffee – mehr als Mineralwasser, Bier oder Fruchtsaft.

Für gute Qualität greifen Liebhaber durchaus tief in die Tasche. Und sündhaft teure Brüh-Maschinen sind ein Statussymbol in der Küche.

Also machten die Wirtschafts-Profis ein Röst-Praktikum und sattelten um. „Manchmal trinke ich mehr als 20 Tassen pro Tag“, gesteht Üründül.

Seminare für Bar-Keeper

Ist das nicht ungesund? „Aber nein!“, ruft er. Kaffee trage zum Flüssigkeitshaushalt bei und stimuliere das Gehirn. Er könne Alzheimer und Diabetes vorbeugen, die Leber schützen, die Fitness steigern.

„Viele wissenschaftliche Studien belegen das“, bestätigt Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes.

Für die beiden Mannheimer ist guter Kaffee die treibende Kraft schlechthin. „Beim schonenden Rösten verlieren die Bohnen nahezu alle schädlichen Säuren“, verrät Ataby. Großröstereien schafften das nicht: „Da jagt der Kaffee bei 900 Grad in wenigen Minuten durch die Anlage.“

Die Trommel der Kaffee-Liebhaber dreht sich 20 Minuten bei 180 Grad. Mit Blick auf die Stoppuhr wird der Hebel der Ofentür umgelegt. Die dampfenden Bohnen rauschen  in den Abkühlbehälter.

Faustformel: „Je dunkler, desto kräftiger der Geschmack.“ Verbrennt die Mischung zu stark, wird sie vernichtet: „Vor den Augen des Zolls, wegen der Steuer“, so Ataby.

Wirtschaftlich sei ihr Engagement, „eigentlich Unsinn“. Die Energiekosten seien zu hoch, der Umsatz mit 15 Tonnen Kaffee pro Jahr zu gering für große Gewinne. „Aber wir sind glücklich“, beteuern beide.

Im Frühjahr wollen sie Kaffee-Seminare starten und Bar-Keeper schulen. Und wenn das Geld langt, eine größere Röst-Maschine kaufen.

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