Umweltschutz

Der Dreh fürs Sparen


Was bayerische Firmen für mehr Energie-Effizienz tun

München.Den Stand-by-Knopf am Fernseher zu drücken – das ist nur der Anfang. Energiesparen liegt nicht nur im Wohnzimmer im Trend – auch im Betrieb. Zum Beispiel das Licht auszuschalten, wenn der Letzte geht – darauf wird zunehmend geachtet.

Denn auch Firmen müssen sich angesichts deutlich gestiegener Kos­ten überlegen, wie sie unnötigen Energieverbrauch vermeiden. Das Zauberwort lautet: Energie-Effizienz. Und das wirkt bereits in den Betrieben der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie, wie die Beispiele auf dieser Seite zeigen.

Einsparungen in Millionenhöhe

Ein bewusster Umgang mit Ressourcen ist mehr als eine grüne Idee, unterstreicht Werner Blaß, Geschäftsführer des Fachverbands Automation im ZVEI, dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie: „Intelligente Automatisierungstechnik, etwa durch genauere Regelung von Prozessen, kann grundsätzlich 10 bis 15 Prozent Energie einsparen.“ Ein energie-intensives Unternehmen wie eine Gießerei kann sich damit schnell um einige Millionen Euro im Jahr entlasten, die an übermäßigen Kos­ten für Strom, Öl, Gas, Dampf und Druckluft anfallen.

Viel Potenzial liegt auch anderswo: Jeder dritte der gut 30 Millionen Antriebe, die in der deutschen In­dus­trie, im Gewerbe und in kommunalen Betrieben installiert sind, ist nicht energie-effizient, schätzt der ZVEI. „Mit moderner elektronischer Drehzahlregelung und Energiesparmotoren ließen sich 20 bis 50 Prozent Energie vermeiden“, erklärt Branchenexperte Blaß. „Die Investitionskosten kommen durch geringeren Stromverbrauch in einem bis vier Jahren wieder rein.“

Zuschüsse für erste Beratungen

Energie-Effizienz lohnt mehrfach: „Sie senkt mittel- und langfris­tig die Produktionskosten, macht Firmen wettbewerbsfähiger, erhält und schafft heimische Arbeitsplätze“, so Blaß. Zudem sinkt der Ausstoß von Kohlendioxid: „Ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.“

Jedes dritte Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern weiß noch nicht, wie es Energie sparen könnte. Das zeigt eine Studie der Deutschen Energie-Agentur. Dabei gibt es attraktive staatliche Hilfsangebote. So bietet die KfW Förderbank mit ihrem „Sonderfonds Energie-Effizienz in KMU“ bis zu 80 Prozent Zuschuss für Beratungen – die Internet-Seite www.kfw-beraterboerse.de bringt Details und  eine regionale Suchfunktion. Und Bayern unterstützt Firmen mit dem „Ökokredit“ – mehr dazu unter www.lfa.de

Beispiel PMG

Hell und sicher: Mehr Licht in der Fertigung dank Reflektoren

Füssen. Der Automobil-Zulieferer PMG ließ es 2004 in seinen Füssener Hallen heller werden: „Von den neuen Leuchten mit Reflektoren haben wir nun noch halb so viele, aber die geben mehr Licht“, sagt Josef Lanschützer, verantwortlich für die Elektro-Instandhaltung.

Durch elektronische Vorschaltgeräte und Regler, die die Helligkeit je nach Tageslicht steuern, sind 72 Prozent weniger Energie nötig. Auch der Wartungsaufwand ist geringer. Lanschützer: „Wir hätten jährlich 70.000 Euro mehr Stromkosten ohne die neuen Lampen.“

Die investierten 140.000 Euro haben sich also längst gelohnt. Produktionsleiter Markus Rathmann betont zudem: „Firma und Mitarbeiter haben gleichermaßen profitiert: Die Energiepreise konnten wir ein wenig abfedern und die Arbeitsbedingungen verbessern.“

Beispiel Fendt

Unabhängig und günstig: Billiger heizen mit Hackschnitzeln

Marktoberdorf. Neue Wege für die Energieversorgung lohnen sich: Der Traktorenhersteller Fendt und die Futtertrocknungs-Genossenschaft Ruderatshofen machen es vor. Künftig soll das Fendt-Werk in Marktoberdorf mit Fernwärme aus Biomasse beheizt werden – durch die Verbrennung von Holzabfällen, sogenannten Hackschnitzeln.

4.100 Tonnen weniger Kohlendioxid bedeutet das im Jahr. „Und die alternative Energie kostet uns weniger als die bisherige Gaskessel-Heizung“, sagt Michael Hahner, Leiter der Abteilung Zentrale Instandhaltung und Umwelt von Fendt. „Da ist die Investition von 150.000 Euro in spätestens zwei Jahren wieder drin.“

Landwirte verdienen mit

Das Werk benötigt bis zu zehn Megawatt in der Stunde. Das entspricht dem 400-fachen Bedarf eines größeren Einfamilienhauses im Winter. Das Biomasse-Heizkraftwerk in Ruderatshofen kann diese Energie liefern.

Davon profitieren auch die Landwirte im Ostallgäu: Etwa 5.600 Waldbauern liefern Brennstoff für 1 Million Euro im Jahr.

„Wir wollen das Potenzial unserer Region voll ausschöpfen und vom Ölpreis möglichst unabhängig sein“, erklärt Karl Engert, Geschäftsführer der Genossenschaft Ruderatshofen. Über eine Ausweitung des Energienetzes wird nachgedacht: Andere Betriebe und private Haushalte haben schon Interesse angemeldet.

Beispiel SKF

Sonnig und sauber: Neue Solaranlage für das Logistik-Zentrum

Schweinfurt. Dem Wälzlager-Hersteller SKF sind schon vor zwei Jahren Spezialisten aufs Dach gestiegen. Rund 3900 Module zur Nutzung von Sonnenenergie liefern seit kurzem Strom von dem 18.000 Quadratmeter großen Logis­tikzentrum in Schweinfurt.

700.000 Kilowattstunden sollen sie jährlich erzeugen. Das ist sogar mehr als der Bedarf an Strom und Licht, den die Halle darunter benötigt. Er entspricht dem Verbrauch von 175 Vier-Personen-Haushalten. 364 Tonnen Kohlendioxid werden so vermieden.

Der Leiter des Logistikzentrums, Otto Wieber, hatte die Idee, die fällige Dachsanierung mit einer speziellen Dachkons­truktion für die Solarmodule zu kombinieren. Die Kosten dafür: 

7 Millionen Euro.

„Dass sich das erst nach zwölf Jahren bezahlt gemacht haben soll, ist zwar langfristig gedacht“, sagt Wieber, „aber das ist auch unser Bekenntnis zum Standort Schweinfurt.“

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Schlagwörter: Energie Rohstoffe

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