Raus aus den Miesen

Der Countdown läuft...


Wie sich die Stadt Langenfeld aus der Schuldenfalle befreit

Langenfeld im Rheinland: Knapp 60.000 Seelen, gelegen zwischen Düsseldorf und Leverkusen, Kirchturm, Einkaufsstraße, Marktplatz, Schluss. Und sechs Autobahnausfahrten, von denen Spötter behaupten, sie seien bloß gebaut worden, damit sich wenigstens ab und zu mal einer hierhin verirre. Klingt nach trübem Mittelmaß.

Und jetzt die Wahrheit: Langenfeld ist Spitze! Deutschlandweit! Denn während andere Städte unter stetig wachsenden Schuldenbergen ächzen, fiebert Langenfeld dem 3. Oktober 2008 entgegen. Denn dann wird die Stadt ganze 60 Jahre jung. Und komplett schuldenfrei! Als einzige Stadt mit über 50.000 Einwohnern.

Dabei sah es einmal ganz dunkel aus in Langenfeld: „Mitte der 80er-Jahre stand die Kommune mit gut 40 Millionen Euro in der Kreide“, erinnert sich Magnus Staehler (49), seit 13 Jahren Bürgermeister. Bis sie hier den Rotstift ansetzten.

Bürger kehren vor der eigenen Haustür

Konsequent drückte die Stadt die Neuverschuldung auf null, durchleuchtete mit strengem Blick jeden Haushaltsposten. Zuschüsse für Vereine? Zusammengestrichen. Die Verwaltung? Rigoros umorganisiert. Straßenreinigung? Weg damit, die Bürger bekamen 2.000 Besen in die Hand gedrückt und kehren jetzt vor der eigenen Haustür. Spart Gebühren!

Um die Einnahmen zu verbessern, wurden zudem Grund- und Gewerbesteuer drastisch erhöht. „Das gab richtig schlechte Stimmung“, sagt Staehler. Gebetsmühlenartig erklärte der Bürgermeister fortan erbosten Bürgern und Unternehmern den Marshallplan zur Gesundung des Stadtsäckels: „Einnahmen stärken, Ausgaben begrenzen.“

Konsequent setzte die Stadt auf die Ansiedlung vor allem mittelständischer Unternehmen, lockte mit unbürokratischen Genehmigungen, guter Infrastruktur.

Mit Erfolg: Rund 5.600 neue Arbeitsplätze sind seit 1997 entstanden, mittlerweile tummeln sich 1.800 Unternehmer verschiedenster Branchen in den Gewerbegebieten.

Und weil heute kaum noch Kredite drücken, die Einnahmen aber wieder sprudeln, zahlt Langenfeld jetzt zurück. Seit einem Jahr sinken die Steuern von Bürgern und Firmen wieder. 2009 wird die Stadt den niedrigsten Gewerbesteuersatz in Nordrhein-Westfalen verlangen, dazu die zweitgeringste Grundsteuer. „Bürgerdividende“, nennt Staehler das. Und hofft auf die Ansiedlung weiterer Firmen und Familien.

Trotzdem bleibt Langenfeld seiner Linie treu: Die Stadt investiert in Kindertagesstätten und Schulen – nicht in Spaßbäder oder teure Museen.

„Die versündigen sich an unseren Kindern“

„Schnickschnack wird’s hier nicht geben“, so Staehler. Über die Verschuldungspolitik anderer Städte schüttelt der Langenfelder nur den Kopf. „Die denken nicht an die Zukunft. Und versündigen sich an unseren Kindern.“

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