Stromversorgung

Der aktuelle Stand bei der Kernenergie


Großbritannien will verstärkt auf Atomenergie setzen

London/Berlin. Die Kernkraft – bei uns ein äußerst umstrittenes Thema. Doch: Franzosen, Finnen und Schweizer setzen weiter auf Kernkraft. Und jetzt auch die Briten.

Anfang dieses Jahres entscheidet die Regierung in London: „Wir wollen mit einer neuen Generation von Atomkraftwerken mehr Energiesicherheit schaffen und zugleich unsere Klimaziele erreichen“, so der britische Wirtschaftsminister John Hutton. „Atomkraft ist eine sichere, saubere und kostengünstige Energie.“

Immerhin will das Königreich den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2050 um 60 Prozent reduzieren (Deutschland: minus 14 Prozent bis 2020).

Auf der britischen Insel laufen 19 Reaktoren, sie decken rund 20 Prozent des Bedarfs. Es sind ältere Anlagen, deren Störanfälligkeit zunimmt. Erneuerbare Energien haben die Engländer vernachlässigt.

Hutton: „Die neuen Kernkraftwerke sollen von Privatunternehmen gebaut werden und ab 2018 ans Netz gehen.“ Deutsche Firmen haben Interesse an einer Beteiligung. Gilt doch die deutsche Kernkrafttechnik als weltweit führend.

Wie steht es bei uns? Deutschland verbraucht im Jahr rund 620 Milliarden Kilowattstunden Strom. 53 Milliarden werden im-, 62 Milliarden exportiert. Woher der Saft kommt, sehen Sie im Schaubild. Der Anteil erneuerbarer Energien soll bis 2020 auf 18 Prozent steigen (heute 12 Prozent).

Russen-Gas wird drastisch teurer

Den dicksten Brocken liefern mit fast 168 Milliarden Kilowattstunden derzeit 17 Kernkraftwerke. In den nächsten 15 Jahren, so das Atomgesetz, sollen sie vom Netz gehen.

Zusätzlich fordern die Klimaschutz-Auflagen der Europäischen Union den Ersatz der alten Kohleanlagen. RWE-Chef Jürgen Großmann: „Bis zum Jahr 2020 fehlen uns dann über 30.000 Megawatt. Das entspricht der Leistung von 30 Großkraftwerken.“ Neubauten sind fraglich: Genehmigungen gibt es nur sehr schwer. 2007 wurden geplante Projekte von insgesamt 6.500 Megawatt  gestrichen.

EnBW-Chef Hans-Peter Villis: „Wir sollten den Ausstieg aus der Kernenergie überdenken.“ Die Verlängerung der Laufzeiten würde die Versorgungssicherheit erhöhen, die Strompreise nach unten drücken. Heute gibt ein Durchschnitts-Haushalt 75 Euro mehr im Monat für Energie aus als noch vor sieben Jahren.

Bleibt  es beim Ausstieg, muss ab 2018 Strom importiert werden. Das kann teuer werden. Russlands neuer Präsident Dimitri Medwedew hat angekündigt, dass die Gaspreise allein in diesem Jahr um gut 40 Prozent steigen werden. 

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Schlagwörter: Energie Rohstoffe

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