Energie

Der 40-Jahres-Plan


10 Fragen und Antworten zum Energiekonzept der Bundesregierung

1. Wie geht es weiter mit der Kernkraft?

Atomenergie soll als „Brückentechnologie“ genutzt werden, bis bezahlbarer Öko-Strom in ausreichender Menge verlässlich zur Verfügung steht. Ältere Atomkraftwerke dürfen daher 8 Jahre länger laufen als bisher beschlossen, jüngere 14 Jahre. Gerechnet wird aber mit Strom-Kontingenten. Nach Kalkulation des Freiburger Öko-Institutes geht demnach der letzte Meiler gegen 2040 vom Netz.

2. Wer profitiert von der längeren Laufzeit?

Natürlich die Betreiber der 17 Kernkraftwerke: die Energiekonzerne EnBW, Eon, RWE und Vattenfall. Da die Meiler abgeschrieben sind, bringt ihnen die Extra-Laufzeit unverhoffte Extra-Gewinne. Die sollen aber laut Wirtschaftsministerium etwa zur Hälfte „abgeschöpft“ werden – durch die neue Kernbrennstoffsteuer und durch Einzahlungen der Konzerne in einen neuen Fonds für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Strompreise schließlich dürften Studien zufolge niedriger sein als ohne die Verlängerung.

3. Gibt’s überhaupt noch genug Atom-Experten?

Offenbar schon. „Wir haben da keine Probleme“, heißt es etwa bei Eon Kernkraft in Hannover. Es gebe ja schon seit Jahren wieder mehr Kerntechnik-Studenten. Und im normalen Betrieb beschäftige man ohnehin etwa Elektro-Ingenieure, Maschinenbauer, Physiker oder Verfahrenstechniker, die nach der Uni von Eon noch einige Jahre weitergebildet werden.

4. Was geschieht mit dem radioaktiven Müll?

D ie längere Laufzeit „führt nicht zu einer grundsätzlich veränderten Situation“, so das Konzept: Die zusätzlichen schwachradioaktiven Abfälle werden im Endlager „Konrad“ bei Salzgitter gelagert – „dies wird möglichst zügig in Betrieb genommen“. Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gibt es noch nicht. Die vor zehn Jahren unterbrochene Erkundung des heftig umstrittenen Standortes Gorleben wird daher „ab Oktober wieder aufgenommen“.

5. Sind Windräder und Solardächer out?

Ganz im Gegenteil: Strom soll immer grüner werden. Dabei kommt der Windkraft „eine entscheidende Rolle“ zu: An Land werden neue Gebiete dafür ausgewiesen, ältere Anlagen sollen durch effizientere ersetzt werden dürfen. Den Bau von Windrädern auf hoher See („Offshore“) will die Regierung „deutlich beschleunigen“, etwa mit speziellen Krediten. Außerdem soll Energie effizienter genutzt werden: Laut Konzept soll unser Stromverbrauch bis 2050 um ein Viertel sinken!

6. Und was ist mit den fossilen Energien?

Kohle, Erdgas und Öl bleiben noch viele Jahre unverzichtbar. Die Regierung hält hier Neubauten für nötig: „hocheffiziente und flexibel einsetzbare fossile Kraftwerke“. Sie setzt zugleich Hoffnungen auf „CCS“, das Abscheiden und Speichern des Treibhausgases Kohlendioxid. Diese neue Technologie biete „zukunftsträchtige Exportchancen“. Bis 2020 sollen daher zwei CCS-Demonstrationsvorhaben in Deutschland gebaut werden.

7. Wie stark wird das Stromnetz ausgebaut?

Der Umstieg auf grünen Strom macht laut RWE-Chef Jürgen Großmann „ein völlig neues intelligentes Hochspannungsnetz erforderlich – das ist, als wollte man alle Autobahnen 16-spurig machen“. Die Regierung wird daher in Sachen Planung und Genehmigung Gas geben. Als „besonders dringlich“ mahnt das Konzept den Bau neuer „Nord-Süd-Trassen“ für den Windstrom an. Die Netz-Pläne enden nicht an der Grenze: Langfristig müsse Deutschland wohl „einen erheblichen Anteil seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen durch Importe decken“. Etwa mit Solarstrom aus Afrika.

8. Was kommt auf die Hausbesitzer zu?

Häuser im Land sollen mit weniger Energie auskommen – das ist ein „zentrales Ziel“ des Konzeptes. Schon in zehn Jahren soll der Wärmebedarf um ein Fünftel (!) niedriger sein. Um „bis 2050 nahezu einen klimaneutralen Gebäudebestand zu haben“, wird die Energieeinsparverordnung erneut verschärft: Ab 2020 soll ein „Sanierungsfahrplan“ für ältere Gebäude gelten. Wer früher saniert als nötig, wird vom Staat gefördert – wer zu spät dran ist, mit höheren Steuern bestraft. Das Mietrecht wird dafür „investitionsfreundlicher“ gemacht.

9. Wie viele Elektro-Autos sind geplant?

Schon 2020 soll die erste Million Elektrofahrzeuge unterwegs sein, bis 2030 sollen es „etwa fünf Millionen“ werden. Anfang 2010 waren laut Kraftfahrtbundesamt etwa 3.000 nur mit Strom betriebene Autos, Laster und Busse unterwegs. Als Anreiz will die Regierung den Stromern „kostenloses Parken oder die Nutzung von Busspuren“ erlauben. Auf lange Sicht sollen Elektro-Autos gar als Stromspeicher dienen – die etwa „in Starkwindzeiten geladen werden“.

10. Der 40-Jahres-Plan: Wird er Realität?

Kommende Woche soll das Energiekonzept im Kabinett beschlossen werden. Bis daraus detaillierte Gesetze und Verordnungen werden, wird es dauern. Und ob die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ohne Zustimmung des Bundesrates möglich ist? Darüber muss wohl noch das Verfassungsgericht urteilen. Dass aber die Richtung Bestand haben wird, steht für Hildegard Müller fest: „Hinter diese Maßstäbe wird nie wieder eine künftige Regierung zurückfallen können“, meint die Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft.

Altersweise? Kubas ehemaliger Staatschef Fidel Castro hat neuerdings verblüffende Einsichten. Foto: dpa

10 Fragen und Antworten zum Energiekonzept der Bundesregierung

1. Wie geht es weiter mit der Kernkraft?

Atomenergie soll als „Brückentechnologie“ genutzt werden, bis bezahlbarer Öko-Strom in ausreichender Menge verlässlich zur Verfügung steht. Ältere Atomkraftwerke dürfen daher 8 Jahre länger laufen als bisher beschlossen, jüngere 14 Jahre. Gerechnet wird aber mit Strom-Kontingenten. Nach Kalkulation des Freiburger Öko-Institutes geht demnach der letzte Meiler gegen 2040 vom Netz.

2. Wer profitiert von der längeren Laufzeit?

Natürlich die Betreiber der 17 Kernkraftwerke: die Energiekonzerne EnBW, Eon, RWE und Vattenfall. Da die Meiler abgeschrieben sind, bringt ihnen die Extra-Laufzeit unverhoffte Extra-Gewinne. Die sollen aber laut Wirtschaftsministerium etwa zur Hälfte „abgeschöpft“ werden – durch die neue Kernbrennstoffsteuer und durch Einzahlungen der Konzerne in einen neuen Fonds für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Strompreise schließlich dürften Studien zufolge niedriger sein als ohne die Verlängerung.

3. Gibt’s überhaupt noch genug Atom-Experten?

Offenbar schon. „Wir haben da keine Probleme“, heißt es etwa bei Eon Kernkraft in Hannover. Es gebe ja schon seit Jahren wieder mehr Kerntechnik-Studenten. Und im normalen Betrieb beschäftige man ohnehin etwa Elektro-Ingenieure, Maschinenbauer, Physiker oder Verfahrenstechniker, die nach der Uni von Eon noch einige Jahre weitergebildet werden.

4. Was geschieht mit dem radioaktiven Müll?

D ie längere Laufzeit „führt nicht zu einer grundsätzlich veränderten Situation“, so das Konzept: Die zusätzlichen schwachradioaktiven Abfälle werden im Endlager „Konrad“ bei Salzgitter gelagert – „dies wird möglichst zügig in Betrieb genommen“. Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gibt es noch nicht. Die vor zehn Jahren unterbrochene Erkundung des heftig umstrittenen Standortes Gorleben wird daher „ab Oktober wieder aufgenommen“.

5. Sind Windräder und Solardächer out?

Ganz im Gegenteil: Strom soll immer grüner werden. Dabei kommt der Windkraft „eine entscheidende Rolle“ zu: An Land werden neue Gebiete dafür ausgewiesen, ältere Anlagen sollen durch effizientere ersetzt werden dürfen. Den Bau von Windrädern auf hoher See („Offshore“) will die Regierung „deutlich beschleunigen“, etwa mit speziellen Krediten. Außerdem soll Energie effizienter genutzt werden: Laut Konzept soll unser Stromverbrauch bis 2050 um ein Viertel sinken!

6. Und was ist mit den fossilen Energien?

Kohle, Erdgas und Öl bleiben noch viele Jahre unverzichtbar. Die Regierung hält hier Neubauten für nötig: „hocheffiziente und flexibel einsetzbare fossile Kraftwerke“. Sie setzt zugleich Hoffnungen auf „CCS“, das Abscheiden und Speichern des Treibhausgases Kohlendioxid. Diese neue Technologie biete „zukunftsträchtige Exportchancen“. Bis 2020 sollen daher zwei CCS-Demonstrationsvorhaben in Deutschland gebaut werden.

7. Wie stark wird das Stromnetz ausgebaut?

Der Umstieg auf grünen Strom macht laut RWE-Chef Jürgen Großmann „ein völlig neues intelligentes Hochspannungsnetz erforderlich – das ist, als wollte man alle Autobahnen 16-spurig machen“. Die Regierung wird daher in Sachen Planung und Genehmigung Gas geben. Als „besonders dringlich“ mahnt das Konzept den Bau neuer „Nord-Süd-Trassen“ für den Windstrom an. Die Netz-Pläne enden nicht an der Grenze: Langfristig müsse Deutschland wohl „einen erheblichen Anteil seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen durch Importe decken“. Etwa mit Solarstrom aus Afrika.

8. Was kommt auf die Hausbesitzer zu?

Häuser im Land sollen mit weniger Energie auskommen – das ist ein „zentrales Ziel“ des Konzeptes. Schon in zehn Jahren soll der Wärmebedarf um ein Fünftel (!) niedriger sein. Um „bis 2050 nahezu einen klimaneutralen Gebäudebestand zu haben“, wird die Energieeinsparverordnung erneut verschärft: Ab 2020 soll ein „Sanierungsfahrplan“ für ältere Gebäude gelten. Wer früher saniert als nötig, wird vom Staat gefördert – wer zu spät dran ist, mit höheren Steuern bestraft. Das Mietrecht wird dafür „investitionsfreundlicher“ gemacht.

9. Wie viele Elektro-Autos sind geplant?

Schon 2020 soll die erste Million Elektrofahrzeuge unterwegs sein, bis 2030 sollen es „etwa fünf Millionen“ werden. Anfang 2010 waren laut Kraftfahrtbundesamt etwa 3.000 nur mit Strom betriebene Autos, Laster und Busse unterwegs. Als Anreiz will die Regierung den Stromern „kostenloses Parken oder die Nutzung von Busspuren“ erlauben. Auf lange Sicht sollen Elektro-Autos gar als Stromspeicher dienen – die etwa „in Starkwindzeiten geladen werden“.

10. Der 40-Jahres-Plan: Wird er Realität?

Kommende Woche soll das Energiekonzept im Kabinett beschlossen werden. Bis daraus detaillierte Gesetze und Verordnungen werden, wird es dauern. Und ob die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ohne Zustimmung des Bundesrates möglich ist? Darüber muss wohl noch das Verfassungsgericht urteilen. Dass aber die Richtung Bestand haben wird, steht für Hildegard Müller fest: „Hinter diese Maßstäbe wird nie wieder eine künftige Regierung zurückfallen können“, meint die Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft.

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