Bekleidung

Den Handel an die Hand nehmen


Modefirmen kümmern sich immer mehr um den Verkauf

Gute Stimmung bei vielen Modefirmen: Klaus Brinkmann, Un-ternehmer aus Herford und Präsident des Modeverbandes „German Fashion“, freut sich über eine positive Entwicklung in der Branche.

Vor allem das Exportgeschäft half dabei – und Brinkmann hofft, dass nun die Käufer im Inland nachziehen. Denn der deutsche Textileinzelhandel legte im Vorjahr nur um 2 Prozent zu.

Allerdings: Die Grenzen zwischen Hersteller und Händler sind fließend geworden. Warum das so ist, erklärt Tanja Bobel, Pressesprecherin der Brinkmann-Gruppe. „Für den Herbst zeigen wir etwa die Bugatti-Winterjacke ,Active Air Condition’ – die hat sozusagen eine eingebaute Klimaanlage. Wir hatten auch schon Jacken mit Heizung oder mit integriertem Radio. Aber der Einzelhandel tut oft zu wenig, um das richtig zu präsentieren: Wenn da eine 500-Euro-Jacke hängt und kein Verkäufer sagt Ihnen, was die alles Tolles kann, nützt das nichts.“

Eigene Geschäfte im Kommen

Und so greifen vor allem namhafte Marken wie Bugatti mehr und mehr in den Verkauf ein. „Vertikalisierung“ heißt das Fachwort für diesen Trend, der stetig an Fahrt gewinnt: Rund 500 „Shop in Shop“ genannte Flächen in Kaufhäusern und Boutiquen hat allein Bugatti inzwischen!

Auf Sylt gibt es seit 2007 das erste reine Bugatti-Geschäft, nun kommen zwei weitere in Iserlohn und Essen hinzu. „Dort können wir viel besser zeigen, dass wir zum Beispiel auch viel junge Mode haben“, freut sich Stephan Horst, der sich um die Bugatti-Flächenplanung kümmert.

Auch Falke präsentiert sich in immer mehr Kaufhäusern und Sportgeschäften mit eigenen Flächen. Kürzlich haben die Schmallenberger in Frankfurt am Main ihren ersten „Store“ eröffnet: Ein Franchise-Partner zeigt dort nun das gesamte Sportsortiment.

Falke-Geschäftsleiter Andreas Soeffker plant „einen Partner-Store in jeder großen deutschen Stadt“. Auch Flächen mit Falke-Personal in Geschäften lokaler Partner seien denkbar, denn: „Wir haben uns mit dem Endverbraucher mehr beschäftigt als mancher Händler“, betont Soeffker, „insbesondere im Sportbereich.“

Bei Dressmaster in Herne setzt der neue Geschäftsführer Holger Schmies ebenfalls auf eigene Shops, die es zum Beispiel schon in Berlin, Leipzig, Dortmund und Ravensburg gibt. „Wir können uns dort viel besser präsentieren“, erklärt Schmies. Er zeigt eine Muster-Verkaufsfläche, die mit Spiegeln und Fotos sowie Metall- und Holzverkleidungen an den Wänden in der Tat viel mehr hermacht als ein klassischer Ständer oder ein Regal im Kaufhaus.

Manche Funktion will erklärt sein

Die präsentierte Marke: „Stones“. Mit ihr richtet sich Dressmaster vor allem an junge, modebewusste Männer. Und bietet ihnen künftig zum Beispiel den neuen „Kinesis“-Anzug, bei dem Sakko und Hose separat kombiniert werden können: Niemand muss zum schwarzen Sakko eine ebensolche Hose kaufen – es kann auch eine graue oder beige sein. Das Material ist sehr belastbar und knittert praktisch gar nicht.

Das könnte Kunden zum Kaufen verlocken – aber eben nur, wenn es ihnen gezeigt und erklärt wird. Das gilt auch für eine Winterjacke aus der Stones-Kollektion: Das Teil bietet das, was die Zunft „Shape Memory“ nennt, es erinnert sich sozusagen an die eigene Form. Solch eine Jacke kann man noch so knuffen und puffen – nach ganz kurzer Zeit wird sie wieder so glatt, wie sie immer war.

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