Stromkonzerne

Den Halt verloren


Schwindelerregend: Männer arbeiten auf einem Hochspannungsmast. Foto: dpa

Massenhafter Abbau von Arbeitsplätzen

Essen. Deutschland freut sich über das Job-Wunder. Quer durch alle Branchen gab es zum Ende des vergangenen Jahres 700.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mehr als 2010. In der einst so sicheren Energiewirtschaft aber sieht die Lage anders aus. Die Stromkonzerne kündigen massiven Stellenabbau an.

Bei RWE sollen 8.000 Jobs wegfallen, bei Eon 6.000. EnBW will Personalkosten von rund 250 Millionen Euro bis Ende 2014 einsparen. Und bei Vattenfall wird über das Ausmaß der Kürzungen noch verhandelt.

Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März vergangenen Jahres und der darauf folgende Beschluss der Bundesregierung zum deutschen Atomausstieg haben die Strom-Riesen mit großen Verlusten zu kämpfen.

„Keine Branche ist den politischen Entscheidungen stärker ausgesetzt“, sagt Professor Manuel Frondel vom Rheinisch-westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Doch es gibt noch mehr Gründe dafür, dass die großen vier den Halt verlieren.

„Auf die lange Bank geschoben“

Der Ausbau erneuerbarer Energien: „Dadurch verlieren die großen Konzerne Marktanteile an neue Anbieter. Und wenn das Kerngeschäft schrumpft, muss  man auch personell schrumpfen“, sagt Frondel.

Die hohen Preise für Gas aus Osteuropa: Wegen langfristiger Lieferverträge und der Ölpreisbindung verlangen vor allem die russischen Lieferanten  zu viel. Frondel: „Das spielt eine erhebliche Rolle bei den Gewinneinbrüchen.“

Der CO2-Ausstoß wird teurer: Als Folge des Atomausstiegs steigt der Anteil des Stroms, der aus Gas und Kohle erzeugt wird. Deshalb entsteht mehr Kohlendioxid. Dafür muss die Industrie per Auktion Zertifikate erwerben.

Zu spätes Handeln: „Der Personalabbau ist schon lange fällig“, sagt Frondel. RWE zum Beispiel hatte bereits vor Fukushima an Sparmaßnahmen gefeilt. „Aber, wenn es einem wirtschaftlich gut geht, dann werden unangenehme Entscheidungen eben auf die lange Bank geschoben.“

So auch bei Eon. Der Konzern war im Jahr 2000 aus der Fusion von Veba und Viag hervorgegangen – und leistete sich zwei Firmenzentralen, in Düsseldorf und in München.

Inzwischen räumt der Eon-Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen ein: „Es kommen sicherlich unternehmerische Versäumnisse aus der Vergangenheit zusammen mit den Eingriffen der Politik und mit den Herausforderungen des Marktes.“

Um diese zu meistern, weist Energie-Experte Frondel vor allem einen Weg: „Die Unternehmen müssen ihren Kraftwerkpark umbauen, sodass sie deutlich weniger CO2 ausstoßen.“


Info: Energiewende

Von 17 Kernkraftwerken in Deutschland sind 8 abgeschaltet. Die übrigen gehen bis zum Jahr 2020 vom Netz. Bis dann sollen auch 35 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen. Zurzeit sind es 20 Prozent. Deutschland ist die erste Industrienation, die sich schrittweise von der Kernenergie verabschiedet.

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