Unternehmerforum

Den freien Handel in der Welt verteidigen


Industrie-Präsident Keitel: Energieversorgung ausbauen

Bremen. Wem gehört der Aufschwung? Einen großen Anteil daran hat das System der Sozialen Marktwirtschaft, so Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) vor 600 Gästen aus Wirtschaft und Politik im Bremer Park-Hotel.

Während des 23. Bremer Unternehmerforums unter dem Titel „Industriepolitik in Bremen, Deutschland und Europa – Mit echten Werten die Zukunft gestalten“ mach-te Keitel deutlich: „Kurzarbeit, Flexibilisierung und Tarifpartnerschaft haben wesentlich zum Aufschwung beigetragen.“

So hat vor allem der Mittelstand seine Belegschaften gehalten. Positive Folge: Die Zahl der  Arbeitsplätze ist heute höher als vor der Krise. Motor dieser Entwicklung ist der Export.

Machtverhältnisse verschoben

Zahlreiche Mittelständler gehören laut BDI zu den „Hidden Champions“, den geheimen Weltmarktführern. In Deutschland seien es 1.500, sagte Keitel. Das Markenzeichen „Made in Germany“ habe in der Welt wieder einen guten Klang. Vor allem in „grüner“ Technologie sei Deutschland Weltspitze.

Trotz aller Erfolge: Es bleibe noch viel zu tun. Keitel sieht die gute deutsche Position durch zahlreiche Faktoren gefährdet. Dazu gehörten vor allem die jüngsten Bestrebungen mancher Länder wie USA oder Frankreich, den Zugang zu ihren Märkten zu erschweren.

Zudem haben sich die Machtverhältnisse in der Welt verschoben. China spielt eine wichtigere Rolle. Das gilt vor allem bei den Rohstoffen, bei denen das Land Lieferungen künstlich verknappt. „Wir müssen mit diesen Ländern in den Clinch gehen, ihnen sagen, dass wir für freien Handel in der Welt stehen“, rief Keitel die Politik auf.

Ein Lösungsweg: „Setzen wir unsere Technologie als Währung ein, um die Rohstoffe zu bekommen, mit denen wir die Technologie von morgen produzieren können.“

In Deutschland müsse ebenfalls viel passieren, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Keitel mahn-te Investitionen in die Infrastruktur an. „Unsere aktuelle Netto-Investitionsquote ist verglichen mit den 90er-Jahren auf 20 Prozent gefallen.“ Vor allem die Energieversorgungsnetze und Kommunikationsstränge müssten dringend erneuert werden.

Genehmigungen vereinfachen

Geld sei da, aber man muss es auch investieren können. Keitel regte den Einsatz sogenannter Private Public Partnerships an, also Finanzierung öffentlicher Vorhaben durch privates Kapital.

Lob erhielt die Bundesregierung für ihr Energiekonzept, eines „der anspruchsvollsten auf der Welt“. Aber wenn man die Ziele erreichen wolle, müssten Strukturen überdacht werden.

Mit Blick auf Demonstrationen wie in Gorleben und gegen Stuttgart 21 sagte Keitel: „Wir müssen gemeinsam überlegen, welche Form der Bürgerbeteiligungen wir haben wollen. Technischer Fortschritt ist häufig schneller als die Genehmigungsverfahren.

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