Gesundheit

Dem Rheuma heimgeleuchtet


Diagnose per Kontrastmittel: migenion hilft chronische Gelenkschmerzen rechtzeitig zu behandeln

Berlin. Fast eine Million Menschen in Deutschland leiden an rheumatoider Arthritis. Diese schmerzhafte Entzündung der Gelenke kann nicht geheilt werden, nur gelindert. Viel zu oft wird sie erst festgestellt, wenn es weh tut. Dabei könnte man  früher Bescheid wissen ...

Genau dies ist ein Thema, an dem das Berliner Unternehmen migenion GmbH tüftelt. Ihr erstes kommerzielles Projekt ist ein für diese Krankheit neuartiges Diagnose-Verfahren: Mit Kamera und Kontrastmittel lässt sich die Entzündung tatsächlich frühzeitig entdecken. Wie das funktioniert?

„Entzündetes Gewebe ist stärker durchblutet als gesundes“, erklärt Forschungschef Kai Licha. „Gibt man ein Kontrastmittel in die Blutbahn, reichert es sich im entzündeten Gelenk stärker an als anderswo.“

Bei migenion spritzt man ein lange erprobtes  Fluoreszenz-Kontrastmittel, um eventuelle Entzündungen in den Fingergelenken aufzuspüren. Bestrahlung der Hände mit Infrarot-Licht lässt das Kontrastmittel kurze Zeit später aufleuchten, was mit einer speziellen Kamera aufgenommen wird. „Der Unterschied zum gesunden Gewebe wird sofort festgestellt“, verdeutlicht Licha.

Erst im November gegründet

Die Vorteile der Früherkennung liegen auf der Hand: Eine Behandlung kann sofort beginnen; zudem lassen sich teure Rheuma-Therapien besser anpassen – das kann den Kassen viel Geld sparen. Derzeit wird noch an der Analyse-Software getüftelt, die die Kamera-Bilder automatisch auswerten soll.

Das Unternehmen, das erst im November 2007 gegründet wurde und zehn Mitarbeiter beschäftigt, arbeitet an einer Reihe weiterer Projekte. Etwa an neuen lichtstarken Kontrastmitteln, an optischen Verfahren zur frühzeitigen Entdeckung von Prostata-Krebs – und an der sogenannten photodynamischen Therapie: Dabei werden lichtempfindliche Wirkstoffe gezielt in krankes Gewebe eingeschleust und anschließend mit Licht aktiviert, was die kranken Zellen absterben lässt.

Vieles ist Zukunftsmusik und erfordert noch viel Forschung. Kooperationen mit Kliniken und anderen Wissenschaftlern, wie zum Beispiel von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Berlin, sowie die Anschub-Finanzierung aus öffentlichen Mitteln zeigen den Wert dieser Arbeit für die Medizin.

Und angestrebte Partnerschaften mit Pharma- oder Medizintechnik-Firmen sollen das junge Unternehmen weiter voranbringen.

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