Fußball

Das Wunder von Wehen


Chemie macht Träume wahr: Wie ein kleiner Dorfverein den Aufstieg in den Profifußball schaffte

Es ist der 20ste Spieltag, die Stadionuhr zeigt 19:38, als Maximilian Nicu, Flügelflitzer des SV Wehen Wiesbaden, den Ball scharf in den Strafraum passt. Dort sprintet Torjäger Ronny König heran, erwischt den Ball vor dem Verteidiger der Gäste aus Aue, drin das Ding, 3:0!

Im Stadion brechen endgültig alle Dämme, nur Vereinspräsident Heinz Hankammer (76) bleibt ruhig auf seinem Schalensitz, ein Lächeln nur, das war’s. „Rumhüpfen sollen andere“, wird er später sagen. „Ich freu’ mich nach innen, so bin ich eben.“

Dabei hätte gerade er allen Grund zu Luftsprüngen. Denn ohne ihn, Hankammer, würde Wehen noch auf den Aschewüsten der Kreisklasse kicken. Und nicht in der zweiten Liga, in einem neuen Stadion!

Aber der Reihe nach. Anfang der 80er-Jahre übernahm Hankammer, im „Hauptberuf“ Gründer und Chef des Wasserfilter-Herstellers BRITA, als Vorsitzender den Klub aus der 9.000-Seelen-Gemeinde Wehen in den Niederungen des Amateurfußballs.

Den Verein führte er fortan kaufmännisch und visionär – wie sein Unternehmen. Unter einem Birnenbaum im heimischen Garten hatte Hankammer Ende der 60er-Jahre die ersten BRITA-Wasserfilter gebaut. Heute ist das Unternehmen Weltmarktführer.

Ohne die Firma kein Fußball-Märchen

„Der Erfolg von Firma und Verein gingen lange Hand in Hand, ohne BRITA wäre mein Traum vom Profifußball in Wehen nicht wahr geworden“, sagt Hankammer heute. Über die Jahre heuerten viele hundert Fußballer beim SV Wehen an, nicht wenige angelockt von guten Jobs in Hankammers Firma. Der Verein begann so seinen beispiellosen Marsch durch die Ligen – bis hin zum Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse im letzten Mai.

Heute steht der Klub längst auf einem breiteren finanziellen Fundament. Seit Anfang des Jahres ziert der Namenszug einer Hotelkette die Brust der Trikots, Hankammers Firma ist nunmehr Namensgeber des neuen Stadions, das im Oktober nach nur vier Monaten Bauzeit eingeweiht wurde.

12.066 Plätze bietet die neue „BRITA-Arena“, ein fast englisch anmutendes, enges Schmuckkästchen, für das der Verein die alte Spielstätte auf dem Wehener Halberg in Richtung des nahen Wiesbaden verließ.

Ein Schritt, der sich auszuzahlen scheint. Verloren sich auf dem Halberg selten mehr als 1.000 Zuschauer, war die BRITA-Arena schon mehrfach ausverkauft, selbst gegen Aue kamen über 6.400 Fans.

Träumen sie in Wehen jetzt sogar von der ersten Liga, von Bayern, Schalke, Bremen? „Träumen ist ja nicht verboten“, schmunzelt Hankammer. „Du musst immer nach oben schauen. Und nicht nur geradeaus.“ 

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