Leitartikel

Das total Schräge an den neuen Rentenplänen

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

31 Milliarden Euro haben sich als Polster in der Rentenkasse angesammelt – nach geltendem Recht ist zum Jahreswechsel automatisch eine Beitragssenkung fällig, von 18,9 auf 18,3 Prozent des Bruttolohns. Wenn diese Entlastung der Arbeitnehmer und Betriebe jetzt wirklich per Eilgesetz gestoppt wird, ist das übel. Und nicht nur wegen des Geldes.

Die neue Regierung will das eigentlich zu viel kassierte Geld lieber in Extraleistungen stecken, statt es den Beitragszahlern zurückzugeben. Das ist schon im Prinzip fragwürdig – bei jeder normalen Versicherung wäre es undenkbar. Dass man das Geld aber konkret in die „Frührente“ und in die „Mütterrente“ stecken will, ist darüber hinaus ein ganz falsches sozialpolitisches Signal.

Denn gerade erst begann man im Land zu begreifen: Die demografische Katas­trophe, der Rückgang des Arbeitskräfte-Potenzials um neun Millionen bis zum Jahr 2030, ist nur aufzuhalten, wenn wir viele Dinge auf einmal tun. Wir müssen mehr qualifizierte Ausländer holen. Die Jungen müssen früher rein in den Job. Und die Betriebe liegen richtig, wenn sie ihre Älteren und ihre jungen Mütter halten, durch Gesundheitsmanagement und flexible Arbeitszeit-Modelle.

Die Politik hat das zuletzt konsequent unterstützt: Sie hat Einwanderern den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert, Abiturienten die Schulzeit verkürzt, die Wehrpflicht abgeschafft, die Regelaltersgrenze behutsam an die höhere Lebenserwartung angepasst. Und den Ausbau der frühkind­lichen Betreuung gefördert, statt (wie die Kohl-Regierung 1992) das Geld einfach in Rentenpunkte für daheimbleibende Mütter zu pumpen.

Es hatte alles eine Richtung. Bisher.


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