Weltgrößte Messe

Das sind die neuesten Kunststoff-Trends aus Rheinland-Pfalz

Folienherstellung: Neue Maschine auf der K-Messe. Foto: Tillmann

Düsseldorf. Ein Violoncello aus Kunststoff? Das gibt es tatsächlich: Mit dem ungewöhnlichen Instrument sollen junge Talente besser musizieren lernen. Dass das Material für Innovationen gut ist, hat die Kunststoff-Messe K 2013 in Düsseldorf erneut gezeigt, die rund 3.200 Aussteller und 200.000 Besucher an den Rhein lockte.

Die Leistungsshow kam der Plastik-Industrie gerade recht. Denn im vorigen Jahr sank die Erzeugung um 3 Prozent, „auch der Umsatz gab nach“, berichtet Rüdiger Baunemann, Geschäftsführer des Erzeugerverbands PlasticsEurope in Frankfurt. Nach zuletzt 81 Milliarden Euro Umsatz bei Erzeugern und Verarbeitern von Kunststoff erwartet die Branche (2.900 Betriebe, 336.000 Beschäftigte) in diesem Jahr nur ein kleines Plus. Da brachten die Messe-Geschäfte Anschub.

Etwa von der Auto-Industrie. Pkws bestehen zu 15 Prozent aus Kunststoff, 2020 sollen es 25 Prozent sein. Immer mehr Bauteile sind aus dem Werkstoff, selbst Tank, Saugrohr oder Auspufftopf, berichtet Baunemann. Abspecken ist angesagt: „Wer Gewicht spart, spart Sprit und schont so das Klima.“

Viele Forscher tüfteln für den Auto-Leichtbau

Faserverstärkte Kunststoffplatten (Organobleche), die sich durch Erwärmen und anschließendes Pressen in jede beliebige Form bringen lassen, sollen Stahl und Alu möglichst bald ersetzen. Zum Beispiel in Karosserie-Teilen, Türversteifungen und Sitzschalen.

„Bisher dauerte das Aushärten der fertigen Teile noch zu lange“, weiß Peter Heidemeyer, Geschäftsführer am Kunststoff-Zentrum in Würzburg. „Jetzt schaffen wir in der Herstellung Taktzeiten von unter einer Minute. Damit sind die Maschinen endlich schnell genug für die Serienfertigung in Autofabriken.“ Zudem werden Kunststoff-Folien immer dünner. „Man baut sie heute aus bis zu neun Schichten verschiedener Kunststoffe auf und spart so bis zu 30 Prozent Material“, erklärt Heidemeyer. Dennoch schützen die Folien wirksam empfindliche Elek­tronik und Lebensmittel vor Schäden oder Verderb.

Groß im Kommen sind Holz-Kunststoff-Gemische. „Bis zu 50 Prozent Holzspäne machen sie beständig wie Tropenholz.“ Gefragt sind sie als wetterbeständiger Belag für Terrasse und Balkon sowie im Autobau. Schon werden davon weltweit jährlich 1,5 Millionen Tonnen produziert.

Eine Weltneuheit ist eine Anlage zum Wiederverwerten des Hochleistungskunststoffs PTFE, besser bekannt als „Teflon“. Bisher lässt sich das teure Material nicht recyceln. Die neue Anlage zerlegt es bei hohen Temperaturen in seine chemischen Bausteine, aus denen wieder Teflon gewonnen wird. Gedacht ist das derzeit für Produktionsrückstände, noch nicht für alte Pfannen.


Übrigens

Foto: Werk
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BASF gibt nicht nur Joggern Schub

Ludwigshafen. Millionen Deutsche joggen. Ganz wichtig sind dabei gute Laufschuhe. Sie sollen den Aufprall dämpfen und beim Abdrücken Schub geben. So einen Hightech-Treter hat jetzt Adidas entwickelt. In ihm steckt eine Sohle aus ­einem neuen Schaumstoff des Chemiekonzerns BASF. „Er gibt einen Großteil der Energie an den Läufer zurück“, erklärt Forscher Frank Prissok.

Mit der Innovation setzt der Anfang 2013 im BASF-Konzern neu geschaffene Bereich Performance Materials gleich eine Duftmarke in Sachen Know-how. Die Sparte setzte im ersten Quartal 1,6 Milliarden Euro um.

Weit fortgeschritten ist die Arbeit an einem neuen Hochleistungsdämmstoff, der deutlich dünnere Platten als bisher ermöglicht. Und fürs Recycling haben die BASF-Forscher Zusatzstoffe entwickelt, die die Eigenschaften der Rezyklate verbessern. Damit aus Plastikflaschen wieder Becher werden können und nicht nur Textilfasern.

Foto: Fotolia
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Raschig forscht an Hightech-Werkstoffen

Ludwigshafen. Immer mehr LED-Lampen strahlen in Haus und Auto. Ohne Kühlung aber leiden ihre Leistung und Lebensdauer. Der Sockel muss die LED-Wärme also optimal ableiten. Die Firma Raschig in Ludwigshafen hat deshalb einen duroplastischen Kunststoff entwickelt, der das kann – und dabei gut elektrisch isoliert.

Auch ein spezieller Hartkunststoff für einen anderen Hightech-Einsatz stammt aus ihrem Labor: „Der schützt schon in vielen Autos empfindliche Sensoren, die die Funktion von Getriebe und Zündung überwachen“, sagt Klaus Lehr, Leiter der Kunststoff-Sparte von Raschig. „Unser Werkstoff hält hohen Temperaturen stand und ist resistent gegen Chemikalien.“ So schließt er die Bauteile sicher ein.

Bis zu 100 Sensoren stecken in einem Mittelklassewagen. Das Unternehmen Raschig (350 Mitarbeiter, 135 Millionen Euro Umsatz) packt damit einen respektablen Markt an.

Foto: Straßmeier
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Röchling Sustaplast optimiert Flammschutz

Lahnstein. Wenn es in Schiff, Zug, U- oder S-Bahn brennt, kann es schnell gefährlich werden. Daher gelten für dort eingesetzte Materialien strengste Anforderungen an die Brennbarkeit. Bisher erfüllten die nur wenige teure Kunststoffe. Jetzt hat Röchling Sustaplast in Lahnstein eine schwer entflammbare Variante des preiswerteren Kunststoffs Polyamid entwickelt.

„Unter normalen Umständen brennt das Material nicht“, so Produktmanager Stefan Maurer. „Es lässt sich nur bei einer sehr hohen Sauerstoffkonzentration entzünden. Das belegen Tests nach der neuesten Brandschutznorm der EU.“

Verglichen mit Stahl ist der Werkstoff ein Leichtgewicht mit sehr guten mechanischen Eigenschaften. Eingesetzt wird er etwa für Kabelklemmen oder Gleitschienen von Türen.

Foto: dpa
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Werner & Mertz testet neues Recycling

Mainz. Was bei Getränkeflaschen aus dem Kunststoff PET funktioniert, klappte bei gebrauchten Wasch- und Putzmittelflaschen lange nicht: das Wiederverwerten des Materials. Denn es können Fremdstoffe ins Plastik eindringen und dieses verunreinigen. Mit einem neuen Verfahren lässt sich sauberes PET nun gezielt aus dem „gelben Sack“ fischen. Das Unternehmen Werner & Mertz („Frosch“) testet es gerade. „Auf diese Weise wollen wir demnächst einen erheblichen Teil des PET gewinnen“, sagt Reinhard Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der Firma. Schon jetzt verwendet sie zu 80 Prozent Rezyklat.

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