Klimawandel

Das schmelzende Arktis-Eis gibt den Meerweg an Sibirien vorbei für den Welthandel frei


Hamburg. Ein chinesischer Frachter schreibt Geschichte: Als erstes Containerschiff der Welt fuhr die „Yong Sheng“ kürzlich durch die Arktis von China nach Europa, an Sibirien und Skandinavien vorbei. Und sparte damit zwischen der chinesischen Hafenstadt Taicang und Rotterdam neun Tage Fahrtzeit gegenüber der herkömmlichen Route ein, die an Indien und Saudi-Arabien vorbeiführt.

Möglich wird das durch den Klimawandel, dessen Folgen inzwischen in der Arktis sichtbar werden. Das ewige Eis schmilzt rapide und gibt so die Nordost-Passage entlang der sibirischen Küste frei. „Das wird die Schifffahrt wandeln, weil es die Fahrtstrecke zwischen Asien und Europa deutlich verkürzt“, sagt der Polar-Experte Joachim Schwarz, der sechs Arktis-Expeditionen geleitet hat. „Die Route ist eine echte Alternative für den Welthandel.“

15.000.000 Tonnen Fracht pro Jahr am Ende des Jahrzehnts

In Zahlen sieht ihr Vorteil so aus: Von Yokohama in Japan nach Hamburg etwa müssen Frachter statt 20.500 nur 13.500 Kilometer zurücklegen. Statt 30 Tage benötigen sie noch maximal 20 Tage. Und die Spritrechnung fällt niedriger aus.

Deshalb wagten sich schon vor dem ersten Containerschiff viele andere Frachter auf das arktische Meer: 4 im Jahr 2010, 46 im Jahr 2012 – und in den ersten zehn Monaten 2013 schon 60, mit insgesamt 3,8 Millionen Tonnen Fracht. Ende des Jahrzehnts dürften laut russischer Prognose auf diesem Schiffsweg schon jährlich 15 Millionen Tonnen Fracht ans Ziel gelangen.

Verglichen mit der Süd-Route durch den Suezkanal „wäre das immer noch wenig“, relativiert Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder in Hamburg. „Diese Wasserstraße passierten letztes Jahr 17.000 Schiffe mit 740 Millionen Tonnen Fracht – da wird die Nordost-Passage so schnell nicht herankommen.“ Zumal sie nur sechs Monate im Jahr befahrbar ist – und nur für robust gebaute Schiffe.

Russland baut drei neue Eisbrecher

Der Rumpf muss aus extrem festem Stahl gebaut sein und bis zu einem Meter dickes Eis durchfahren können. Zwar schrumpfte die Eisfläche der Arktis im Jahrzehnt bis 2012 um über 40 Prozent auf 3,4 Millionen Quadratkilometer, aber gefahrlos ist die Tour selbst heute nicht.

Deshalb werden auch in Zukunft russische Eisbrecher viele Transporte begleiten. Das Riesenreich lässt für 2,7 Milliarden Euro drei neue atomgetriebene Eisbrecher bauen. Und bringt für 1 Milliarde Euro die Häfen entlang der Küste auf Vordermann.

Was manche Reeder freut, ist Umweltschützern ein Graus. Bei Greenpeace befürchtet man, dass eine der letzten kaum angetasteten Regionen der Welt durch Öllecks oder den Ruß aus Schiffsmotoren verschmutzt wird. Russland und andere Anrainer-Staaten haben in der Arktis aber noch mehr vor: Sie wollen dort Öl und Gas fördern. Das dürfte die Region stärker verändern als der Schiffsverkehr.

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Schlagwörter: Klima Verkehr

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