Lohnrunde 2012

Das sagen die Chefs


Kleine Betriebe mit wenigen Dutzend und weltumspannende Konzerne mit Tausenden Beschäftigten, Mittelständler mit vollen Auftragsbüchern und Firmen, die täglich kämpfen müssen – die Mitglieder des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall könnten vielfältiger nicht sein. Ihnen allen soll der neue Anzug, den die Tarifpartner geschneidert haben, passen. Drei Firmenvertreter ziehen Bilanz:

Hans-Joachim Scheja, Personalleiter von KME Germany in Osnabrück, bewertet die Tarifrunde als „überemotionalisiert und mit am Ende schwer erzieltem Kompromiss“.

Die Gewerkschaft habe eher das Klima aufgeheizt als an Lösungen gearbeitet, sagt Scheja, der in der Bezirksgruppe Osnabrück-Emsland von NiedersachsenMetall der Tarifkommission vorsitzt. Doch könne man mit dem Ergebnis leben. „Der Abschluss bringt unseren Mitarbeitern ein deutliches Reallohn-Plus, sichert unseren Betrieben einen Flexibilitätspuffer und hält die Ausbildung auf einem hohen Niveau.“ KME Germany ist einer der weltgrößten Hersteller von Produkten aus Kupfer und Kupferlegierungen.

Lothar Murtzen, Personalleiter von KSM Castings in Hildesheim, sieht in der Vereinbarung zur Ausbildung einen „vertretbaren Kompromiss“: Im Prinzip gibt’s die unbefristete Übernahme, aber der Betrieb hat die Möglichkeit, selbst zu fixieren, für welche und wie viele Azubis das gilt.

„60 junge Leute sind permanent in Hildesheim in Ausbildung“, berichtet Murtzen. „Wir legen Wert auf Praxisnähe, haben eine eigene Ausbildungswerkstatt – und übernehmen am Ende nahezu jeden.“

In insgesamt sechs Standorten mit 2.800 Mitarbeitern fertigt das Traditionsunternehmen, das aus der 1947 gegründeten Kloth-Senking Metallgießerei hervorging und seit 2011 zum chinesischen Industrie-Investor CITIC Dicastal Wheel Manufacturing gehört, Leichtmetallprodukte für die Auto-Industrie. Etwa Quer- und Längsträger, Teile für die Lenkung und den Rahmen, Ölwannen, Motor- und Getriebekomponenten. Sogar einen Formel-1-Motor haben die Spezialisten schon gegossen.

Thomas Reck, Geschäftsführer der Thermo Electron LED GmbH in Osterode am Harz, sieht die Einigung bei der Zeitarbeit gelassen: „Wir haben schon immer Zeitarbeit in unbefristete Einstellungen umgewandelt, allein in den letzten zwei Jahren kamen 22 Mitarbeiter so zu uns.“ Nach zwei Jahren Tätigkeit im Betrieb hat man künftig in der Regel Anspruch auf Übernahme.

Die zum US-Weltkonzern Thermo Fisher Scientific gehörende Firma (320 Mitarbeiter) fertigt Hightech-Zentrifugen für die Medizintechnik; Zeitarbeiter setzt man zur Bewältigung von Auftragsspitzen ein. „Wir sind als Center of Excellence im Bereich Separationstechnologie einzigartig im Konzern“, berichtet der promovierte Physiker Reck. „Aber wir stehen auch täglich vor der Herausforderung, die Leistung wettbewerbsfähig anbieten zu können. Die US-Mutter sagt uns: Wenn ihr schon die höchsten Lohnkosten habt, müsst ihr auch die Besten sein.“

Eine bedingungslose Azubi-Übernahme wäre kontraproduktiv gewesen, sagt Reck. Und das Lohnplus von 4,3 Prozent bei 13 Monaten Laufzeit trifft nicht auf sein uneingeschränktes Lob. „Aus Gründen der Planungssicherheit wäre ein Abschluss auf 24 Monate für uns besser gewesen.“

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