Infrastruktur

Das Problem der Bahn


Das Streckennetz ist an der Grenze der Belastung

Berlin. Bahnfahren wird schon wieder teurer: Ab 11. Dezember kosten Tickets im Nahverkehr im Durchschnitt 2,7 Prozent mehr, in Fernzügen 3,9 Prozent. Begründet wird das mit steigenden Energie- und Personalkosten. Der Preis geht rauf, die Leistung bleibt mangelhaft. Mehr Pünktlichkeit ist nicht in Sicht.

Unternehmen fordern Systemwechsel

Woran das liegt, erklärt Bahn-Sprecher Holger Bajohra: „Weicht ein Zug minimal vom Fahrplan ab, wirkt sich das auf vier bis fünf andere Züge aus.“ Denn auf den Gleisen ist es proppenvoll: Abwechselnd fahren Güter-, Regional- und Fernzüge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf derselben Strecke. Es kommt zum Stau. Bajohra: „Auch die technischen Möglichkeiten moderner Signalsysteme sind vielerorts ausgeschöpft.“

In Speditionsbetrieben – die auf pünktliche Güterzüge angewiesen sind – wird deshalb jetzt der Ruf nach einem Systemwechsel laut. Ralf Jahncke, Vorstandschef des Logistik-Dienstleisters Transcare, kritisiert: „Die optischen Signale an der Strecke regeln, welchen Abstand zwei Züge zueinander einhalten müssen – aber sie berücksichtigen nicht, ob die Züge gerade langsam oder schnell fahren.“

Das sei so, als würde auf der Autobahn im Stop-and-go der gleiche Sicherheitsabstand gelten wie bei Tempo 200.

 

Jahncke schlägt vor, Züge künftig über eine Elektronik in der Lok zu steuern, die Navigationssystemen im Auto ähnelt. „Dann entscheidet die Technik flexibel über den Abstand.“ So ließe sich die Kapazität im Güterverkehr verdreifachen.

Warum die Bahn diesen Schritt nicht geht, ist für den Unternehmer klar: „Sie würde ihr Monopol als Netzbetreiber gefährden. Wettbewerber wie Privatbahnen wären auf die Steuerungsdienste der Bahn nicht mehr angewiesen.“

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