Förderung auf dem Weg nach oben

Das Pilotprojekt „Aufstiegscoach“ hilft Langzeitarbeitslosen beim Einstieg in einen neuen Job


Ziel festlegen: Die Aufstiegscoachs Wanda Krautter und Matthias Schultis mit Carsten Rehbein (von links), Regionalleiter des Bildungswerks. Foto: Scheffler
Ziel festlegen: Die Aufstiegscoachs Wanda Krautter und Matthias Schultis mit Carsten Rehbein (von links), Regionalleiter des Bildungswerks. Foto: Scheffler

Offenbach. Ganz allein ist es oft sehr schwer, einen steinigen Weg zu meistern. „Aber mit der richtigen Unterstützung kann man so manchen Berg erklimmen“, ist Wanda Krautter überzeugt. Die Mitarbeiterin des Bildungswerks der hessischen Wirtschaft (bwhw) gehört zum Team des Pilotprojekts „Aufstiegscoach“.

Krautter hilft Langzeitarbeitslosen beim Einstieg in den Job und beim beruflichen Aufstieg. Unterstützt werden auch Mini-Jobber und sogenannte „Aufstocker“, die trotz sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung staatliche Unterstützung benötigen. Im September dieses Jahres startete das bundesweit einmalige Projekt auf Initiative der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) mit Sitz in Frankfurt.

Realisiert wird es vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. Als Testregionen wurden die Bereiche der Jobcenter Schwalm- Eder und Waldeck-Frankenberg sowie der MainArbeit, dem kommunalen Jobcenter der Stadt Offenbach, ausgewählt.

Aus Aufstockern werden Qualifizierte

Derzeit werden 60 Teilnehmer unterstützt, also gecoacht. Gefördert wird das Projekt mit einer halben Million Euro vom Sozialministerium und den beteiligten Jobcentern. In den vergangenen zehn Jahren hat die hessische Wirtschaft auch dank flexibler Beschäftigung wie Zeitarbeit und Teilzeit 200. 000 sozialversicherte Stellen geschaffen. Doch immer wieder werden Einsteiger erneut arbeitslos oder müssen ergänzendes Arbeitslosengeld neben ihrem Lohn beziehen.

„Hier setzen wir an, um Langzeitarbeitslose und Ungelernte dauerhaft in Arbeit zu bringen und mit ihnen eine Aufstiegsperspektive zu erarbeiten“, erläutert Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer der VhU. Ehrgeiziges Ziel: Nach gut einem Jahr sollen 70 Prozent der Teilnehmer den Aufstieg gepackt haben und ohne Aufstockung auskommen können.

Wanda Krautter und ihr Kollege Matthias Schultis kümmern sich in Offenbach um 30 Betroffene. „Wir beginnen mit einer Stärken-Schwächen- Analyse, schauen, wo es klemmt, wie nächste Schritte aussehen könnten und loten gemeinsam mit Unternehmen und Arbeitnehmer aus, was für den Aufstieg noch fehlt“, so Krautter.

Teilziele werden gemeinsam festgelegt, schrittweise erste Erfolge verbucht. Bei allen Problemen steht der Coach beratend zur Seite. Schultis: „Mal geht es um eine bessere Kinderbetreuung, um länger arbeiten zu können, mal fehlt ein Führerschein oder ein abgeschlossener Sprachkurs und vieles mehr.“

80.000 Erwerbstätige in Hessen brauchen neben ihrem Lohn Zusatzleistungen

Mit dem Projekt will die VhU einen Beitrag liefern, um aus Langzeitarbeitslosen dauerhaft Arbeitnehmer zu machen und deren Potenzial zu erschließen. Fasbender: „Diese Pilotprojekte mit Aufstiegscoachs sind ein Experiment des Förderns. Und wenn sie gelingen, wird die Anstrengung mit einem Aufstieg in besser bezahlte Arbeit belohnt.“

Auch Sozialminister Stefan Grüttner sieht hier einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung des Fachkräftemangels: „Viele dieser ‚Aufstocker‘ haben Fähigkeiten und Talente, die es zu entwickeln lohnt.“

Kommentar

Dr. Werner Scherer. Foto: Verband
Dr. Werner Scherer. Foto: Verband

Die entscheidenden ersten Stufen

Von Dr. Werner Scherer Geschäftsführer Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik des Arbeitgeberverbands HESSENMETALL

Erst in Arbeit einsteigen, dann weiter aufsteigen: Das ist das Erfolgsrezept, um der Arbeitslosigkeit nachhaltig zu entkommen – gerade für die Schwächsten auf dem Arbeitsmarkt, die Ungelernten und Langzeitarbeitslosen. Aber man muss diesen Aufstieg auch selbst planen. Und möglicherweise können die Jobcenter den Aufstieg noch sehr viel besser fördern.

Die bundesweit einmaligen Pilotprojekte mit Aufstiegscoachs in Nordhessen und Offenbach sind ein Experiment des Förderns, das gelingen oder misslingen kann. Gecoacht werden aktuell 60 Teilnehmer. Die Erfolgsquoten sind ehrgeizig.

Wenn sie gelingen, dann sind auf der Treppe zu einem Leben aus eigener Kraft die entscheidenden ersten Stufen genommen: Einstieg, Stabilisierung, und Qualifizierung. Die Anstrengung wird mit einem Aufstieg in besser bezahlte Arbeit belohnt. Wenn es nicht gelingt, werden die Akteure am Arbeitsmarkt zumindest wertvolle Erfahrungen gesammelt haben, um einen anderen Weg zu entwickeln, der dauerhaft aus der Arbeitslosigkeit führt.

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