Standpunkt

Das Kreuz mit den Umfragen

Die Akzeptanz der Marktwirtschaft lässt sich schlecht beziffern

Was besagt es für das wirkliche Leben, wenn das Allensbach-Institut neue Zahlen zur Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft  vorlegt? 34 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren hatten Ende 2008 „vom Wirtschaftssystem in Deutschland eine gute Meinung“. 38 Prozent hatten „keine gute Meinung“, der Rest war unentschieden.

In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre legte der Anteil der „Sympathisanten“ kontinuierlich zu, bis auf 46 Prozent im Jahr 2000. Aber sind die Leute beschwingter zur Arbeit gegangen? Wurde an den Stammtischen weniger genölt?

Zwischen 2000 und 2004 sackte der Wert dann bis auf 26 Prozent ab. Er dümpelte dann jahrelang bei 31 Prozent – um ausgerechnet jetzt, mitten in der Finanzkrise, auf 34 Prozent zu klettern. „Eine Spätfolge des Aufschwungs“, erklärte Allensbach-Chefin Renate Köcher im Gespräch mit AKTIV.

Gleichen wir kurz die Umfragehöhen und -tiefen mit wirklichen Veränderungen ab. Zum einen: In eben jener Phase, in der die Befragten eine zunehmend „gute Meinung“ von der Marktwirtschaft äußerten, haben genau umgekehrt die Wähler zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eine linke Parlamentsmehrheit geschaffen – mit der Entscheidung für Rot-Grün im Jahr 1998.

Zum anderen: Im darauffolgenden Absturz der „guten Meinung“ seit dem Jahr 2000 dürfte sich in der Tat ein Stück Wirklichkeit spiegeln. Nämlich das weitgehend sachfremde Mediengeschrei über „Hartz IV“. Die Befragten hatten es im Ohr. Und viele Überfragte (oder Genervte) lassen sich in der künstlichen Situation mit dem Interviewer von Stimmungen leiten – indem sie nicht eine eigene Meinung ankreuzen lassen, sondern die von ihnen als „richtig“ vermutete Sicht der Dinge.

Eine echte Überzeugung lässt nicht mal das immerhin freiwillig, aber doch oft mit inneren Vorbehalten gesetzte Kreuzchen auf dem Wahlzettel erkennen. Geschweige denn das für die Befragten gänzlich belanglose, abgenötigte Abnicken von Fragebogenvorgaben.

Privat- statt Planwirtschaft, freie Wahl von Arbeitsplatz und Urlaubsziel, Preis- und Qualitätswettbewerb um die Gunst des Verbrauchers – all das soll wirklich derart unpopulär sein? Diejenigen, denen das alles angeblich stinkt, sind im Betrieb oder auf Mallorca oder im Supermarkt auch beim schlechtesten Willen nicht zu unterscheiden von den Leuten mit einer „guten Meinung“.


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