Leitartikel

Das Kapital der Deutschen

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Was ist die Quelle der Tatkraft, mit der so viele Bürger den Flüchtlingen begegnen? Die in Gefahr gerät, wenn die Regierung jetzt nicht steuert? Der Bundespräsident hat das auf den Punkt gebracht: „Wir werden weiter helfen – ohne unsere Kräfte zu überschätzen“, sagte er. „So werden wir bleiben, was wir geworden sind: ein Land der Zuversicht.“

Positiv nach vorne schauen – das können die Deutschen tatsächlich besser als früher. Dass sie die sprichwörtliche und für ihre Nachbarn oft unheimliche „German Angst“ abgelegt haben, ist durch Umfragen eindrucksvoll belegt. In das laufende Jahr sind nur 11 Prozent der Bevölkerung „mit Befürchtungen“ gestartet, aber 56 Prozent „mit Hoffnungen“ – vor einem Jahrzehnt lag das Verhältnis noch bei 26 zu 38 Prozent.

Eine solche Grundstimmung kann helfen, die Herausforderungen der Flüchtlingskrise zu meistern. Und auch Rückschläge für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung zu verkraften, wie sie in den letzten Wochen deutlich wurden. Ludwig Erhard, der Vater der Sozialen Marktwirtschaft und frühere Kanzler, beschrieb das einst mit der prägnanten Formel: „Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie.“

Natürlich geht es nicht darum, wie einst in der DDR mit Propaganda das Volk zu verschaukeln. Wenn etwas schiefläuft, muss es klar benannt werden, das gehört zum Wesen unserer offenen Gesellschaft, und auch das macht Deutschland stark. Doch wer im alltäglichen Werben um Aufmerksamkeit Probleme überzeichnet und die Lage im Land schlechtredet, dem gibt der Bundespräsident den Hinweis: Zuversicht ist das derzeit wichtigste Kapital der Deutschen.


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