Leitartikel

Das Jahr der Aufgeregtheiten

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Es war Anfang Juni, eine konzeptlose Nationalelf hatte in einem Testspiel gegen Kamerun bloß 2:2 gespielt – und Fußball-Legende Lothar Matthäus sprach aus, was den allermeisten Menschen in diesem Land schwante: „Ich glaube nicht, dass die Deutschen Weltmeister werden. Zu viele Baustellen. Zu viele Verletzte.“

Was für ein Jahr! Es fing ja schon mit Geunke an: Das seit Januar geltende Recht der EU-Bürger aus Bulgarien und Rumänien, sich bei uns einen Job zu suchen, bedeute „Armutseinwanderung“. Tatsächlich kamen vor allem Fachkräfte. „Die Beschäftigung ist deutlich stärker gestiegen als erwartet, es läuft besser als damals bei der Öffnung für Polen und die anderen EU-Staaten im Osten“, bilanziert das IAB-Institut, die Denkfabrik der Arbeitsagenturen. Die Arbeitslosenquote der hier lebenden Bulgaren und Rumänen ist seit Januar kräftig gesunken!

Und dann die Euro-Krise: War da nicht was? „Europa könnte 2014 in die Luft fliegen“, ließ ein großes Nachrichtenmagazin im letzten Winter den US-Professor Barry Eichengreen Ängste schüren. Die Debatte, die im Mai noch die Europawahl prägte, ist abgeflaut. Kürzlich nabelten sich Spanien und Irland von EU-Hilfsmaßnahmen ab; Griechenland hatte im dritten Quartal das stärkste Wirtschaftswachstum der Euro-Zone.

Und so weiter und so fort. Als die Terrormiliz Islamischer Staat im Juni große Teile Iraks und Syriens eroberte, warnte das Münchner Forschungsinstitut Ifo vor einem „scharfen Anstieg der Ölpreise“. Er blieb aus, wir tanken billig. Reale Katastrophen in vielen Teilen der Welt – und in Deutschland ein Jahr der Aufgeregtheiten: Das Einzige, was bei uns heißläuft, sind unsere Köpfe.


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Schlagwörter: Europa Politik

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