Wohlstand

"Das ist doch gutes Geld!"


Die Löhne der Metaller sind binnen zehn Jahren um 34 Prozent gestiegen

Beruflich sitzen die Schneymanns fest im Sattel. Vater, Mutter und Sohn arbeiten in derselben Fabrik – beim Autozulieferer Mühlhoff im niederrheinischen Uedem. Das Familien-Unternehmen fertigt Blechteile für Audi, BMW, Mercedes & Co. Die Geschäfte laufen glänzend, die 365 Arbeitsplätze sind sicher. „Wir haben keinen Grund zu klagen“, meint „Familienvorstand“ Heinz-Willi Schneymann.

Mühlhoff ist ein Mittelständler, wie es viele in der deutschen Metall- und Elektro-Industrie (M+E) gibt. Und der 56-jährige Schneymann arbeitet hier als Schweißer. Im Akkord. Seit nunmehr 38 Jahren ist er in dem Betrieb: „Da kennt man den Laden in- und auswendig. Klar will ich bis zur Rente bleiben. Auch wegen der Bezahlung.“

Eine angelernte Kraft wie Heinz- Willi Schney-mann verdient rund 2.450 Euro brutto im Monat – im Jahr sind das inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld 32.500 Euro. In etwa so viel bekommt auch seine Frau Ute (52), die den gleichen Job macht. Netto haben die beiden rund 3000 Euro im Monat. „Das ist doch gutes Geld“, sagt der Senior.

Flammneue Rakete statt olle Möhre

Sohn Christian (30) erhält als Werkzeugmechaniker 3.000 Euro brutto im Monat. Netto bleibt dem Junggesellen zwar nur rund die Hälfte. Dennoch genug, um sich ein teures Hobby leisten zu können: Der Junior fährt einen schwarzen Ford Mondeo mit 226 PS: „2004 flammneu gekauft“. In seiner Lehre verdiente er nur 900 Mark brutto und kam mit einem alten Fiesta zur Arbeit.

„Uns geht es so gut wie noch nie“, ist sich die Familien-Bande sicher. So denken offen-sichtlich die meisten Mühlhoff-Mitarbeiter. Geschäftsführer Hans-Jürgen Mülders: „Jeder sechste ist schon länger als 25 Jahre bei uns.“ 

Glaubt man aber dem Stammtisch und den Negativ-Schlagzeilen, die derzeit Hochkonjunktur haben, sind solche Mitarbeiter wohl eher die Ausnahme. Herausgepickt aus den zig Tausenden, denen es Jahr für Jahr angeblich immer schlechter geht und die sich mit sinkenden Reallöhnen abfinden müssen. Der Haken: Bei der öffentlichen Diskussion bleibt der wirtschaftliche Sachverstand oft auf der Strecke.

Ein Blick auf die Fakten vermittelt ein anderes Bild: Laut einer Statistik, die auf Berechnungen des Bundesfinanzministeriums beruht und sich auf die westdeutsche M+E-Industrie bezieht, verdienen die Mitarbeiter heute im Schnitt brutto 34 Prozent mehr als 1997.  Netto bleiben immerhin 11,5 Prozent mehr. Und da ist auch schon die Inflation herausgerechnet. Mit anderen Worten: Um diesen Prozentsatz hat sich der Wohlstand erhöht.

Besonders der letzte Tarifabschluss zahlt sich aus: Er allein schon bringt einen Wohlstandsgewinn von 2,1 Prozent, wobei die Statistiker bei ihrer Prognose eine Inflation von 1,9 Prozent annehmen. Damit liegen sie bislang goldrichtig: Denn um so viel stiegen die Preise tatsächlich in den ersten neun Monaten 2007 gegenüber dem Vorjahreszeitraum.  Selbst wenn die Inflation noch etwas zulegt, wird unterm Strich ein spürbares Plus herauskommen.

Neun von zehn Stellen sind Vollzeitjobs

Dennoch mögen Kritiker einwenden, diese Zahlen seien geschönt. Grund: Seit 2004 wurden in der Branche rund 600 Bündnisse für Arbeit abgeschlossen. Um Krisen zu überstehen. Oder um Großinvestitionen zu ermöglichen. In etwa der Hälfte der Fälle entfielen die Sonderzahlungen. Da es mit der Branche aber weiter aufwärts geht, dürfte die Zahl der Bündnisse und damit der betroffenen Mitarbeiter 2007 eher sinken.

Alles in allem verdienen Deutschlands Metaller gut. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kommen 85 Prozent der Vollzeitkräfte auf ein Bruttojahreseinkommen von mehr als 30.000 Euro. Und bei jedem zweiten Mitarbeiter sind es mindestens 38.000 Euro.

Aber dann wäre da noch die Diskussion um Billigjobber und Zeitarbeitnehmer. Die Metall- und Elektro-Industrie gehört jedoch zu den Wirtschaftszweigen, die nach wie vor auf die traditionelle Festanstellung setzen. Das belegen Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): In der Branche sind 92,5 Prozent aller Stellen klassische Vollzeitarbeitsplätze, neun von zehn Jobs sind unbefristet.

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Schlagwörter: Private Finanzen

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