Teure Energie

Das ist der Grund!


Gut in Fahrt: So wie hier in der Riesen-Metropole Chongqing nähern sich Hunderte Millionen Chinesen unserem Lebensstil an. Foto: Phototek.net

Ein Report des BP-Konzerns zeigt, wie China die Märkte leer kauft

London. Wären alle so drauf wie wir – Energie könnte spottbillig sein. Stolze 8 Prozent hat Deutschland in den letzten zehn Jahren eingespart. Wenn man alle Energieträger in einer Rechengröße zusammenfasst, kommt eine große Zahl heraus: 27 Millionen Tonnen „Öl-Äquivalent“. So weit, so schön.

Doch die „Welt-Energiebilanz“, die jetzt der Mineralölkonzern British Petroleum in London vorgelegt hat, enthält noch eine weitere Zahl. Und die ist noch um einiges größer: Die Volksrepublik China hat in der gleichen Zeit ihren Energieverbrauch um 902 Millionen „Öl-Äquivalente“ gesteigert!

„Falsche“ Preise heizen Verbrauch an

Der Energie-Hunger Chinas hat sich in zehn Jahren verdoppelt  – das ist der Hauptgrund für den rasanten Preisanstieg. Das Land verbraucht viereinhalbmal so viel wie Indien –  obwohl in beiden Ländern deutlich über eine Milliarde Menschen leben.

Die Chinesen benötigen „weit mehr Energie für die Erstellung ihres Sozialprodukts als die Industrieländer“, betonte BP-Chefvolkswirt Christof Rühl bei der Vorstellung des Reports. Je 1.000 Euro Wirtschaftsleistung verballern die Chinesen 786 Kilo „Öl-Äquivalent“. Die Deutschen kommen mit 128 Kilo aus.

Geld ist für China kein Problem. Der boomende Warenexport hat dem Land die unvorstellbare Summe von umgerechnet 1.000 Milliarden Euro Devisen-Reserven in die Kasse gespült. Der BP-Report zeigt in harten Zahlen, wie das Reich der Mitte die globale Energie-Bilanz verändert.

lBeispiel Öl: Mit 368 Millionen Tonnen ist China inzwischen der zweitgrößte Verbraucher hinter den USA, der Bedarf ist in den letzten zehn Jahren um 88 Prozent gestiegen (bei uns sank er um 18 Prozent). Die Hälfte des Erdöls holt sich China aus dem Ausland. Und nix mit Ökosteuer: Der Sprit wird dort vom Staat stark subventioniert. „Das treibt den Verbrauch“, betont Rühl. Zwar setzte Peking Ende Juni den Spritpreis ein Sechstel rauf. Aber der Liter ist mit 60 Euro-Cent noch immer billig.

Beispiel Kohle: China verfeuert viel mehr als alle Industriestaaten zusammengenommen. Zwar kommt hier bisher fast alles aus eigener Förderung – aber der enorme Nachfrage-Druck beeinflusst trotzdem die Weltmärkte, die ja immer auch künftige Lieferungen aushandeln. Allein 2007 ist Chinas Kohle-Verbrauch um 8 Prozent gestiegen! „40 Prozent des weltweiten Anstiegs des Energieverbrauchs entfallen auf einen einzigen Brennstoff in einem einzigen Land“, veranschaulicht Rühl die Dimension.

Beispiel Gas: Weil es relativ umweltfreundlich ist, rückt es in China verstärkt in den Blick. Mehrverbrauch im letzten Jahr: ein Fünftel. Seit Erdgas auch verflüssigt in Tankern transportiert wird, bildet sich hier ein „global integrierter Markt“ wie bei Öl und Kohle, stellt der BP-Mann klar.

Im Klartext: Wer besser zahlt, hat am Ende auch die wärmere Stube.

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Schlagwörter: Energie Rohstoffe

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