Arbeitsplätze

Das große Comeback


Die Metall- und Elektro-Industrie ist wieder ein Job-Motor in Ostdeutschland

Job-Boom in der ostdeutschen Metall- und Elektro-Industrie (M+E): Sie hat jetzt die Marke von 400.000 Stellen geknackt, gegenüber dem Beschäftigungstief im Jahr 1997 ein Plus von über 50 Prozent. Die Zahl der Betriebe ist seitdem um 1.400 auf 4.200 hochgeschnellt, der Umsatz von 28,5 auf 80 Milliarden Euro gestiegen. AKTIV schildert den Erfolg an drei Beispielen.

Brand-Erbisdorf. Eine letzte Runde dreht sich das „Karussell“ noch, aufmerksam beobachtet von Sylvia Oehme. Dann bleibt es mit einem leichten Ruck stehen. „Damit ist die Wochenproduktion geschafft“, sagt die junge Frau.

Sie arbeitet beim Lampenhersteller Narva im sächsischen  Brand-Erbisdorf. Und das Karussell ist eine Einschmelzmaschine, die im Jahr bis zu eine Million Vakuumröh-ren mit einem länglichen Teil aus Kupfer bestückt.

Die Röhren sind für Solarkollektoren bestimmt. Und  verkaufen sich so gut, dass sie den Sachsen einen Platz an der Sonne sichern. Dank des neuen Produkts konnte Narva zusätzliche Kunden gewinnen und die Zahl der Arbeitsplätze um 20 auf jetzt  350 erhöhen.

Ideal für Hitze und Kälte

Die Röhren fangen Sonnenlicht ein und leiten die Energie von dem Kupferteil, ein Absorber,  in zirkulierendes Wasser, das sich so erhitzt. Genutzt wird das Wasser etwa in der Lebensmittelproduktion, in Desinfektionsgeräten oder Wäschereien. Mit  dem heißen Wasser lässt sich aber auch Kälte erzeugen, zum Beispiel für Klimaanlagen.

Der Wirkungsgrad ist enorm: Bis zu 80 Prozent der Sonnenenergie werden in Wärme oder Kälte umgewandelt.Zwei Jahre brauchte man am Fuße des Erzgebirges, bis das Produkt und die entsprechenden Fertigungsverfahren ausgetüftelt waren.

Seit letztem Sommer produziert Narva nun diese Röhren – ein Geschäft mit sonnigen Aussichten. Auch 2008 dürfte der Umsatz zulegen. Noch mehr  Jobs nicht ausgeschlossen.

Von wegen Rohrkrepierer!

Viega: Pfiffige Installationsteile, meisterhafte Ausbildung

Großheringen. Ausbildungsleiter Manfred Rechenbach klopft Robert Erdmann anerkennend auf die Schulter. Der Industriemechaniker-Lehrling ist eben zur Frühschicht im Thüringer Werk der Firma Viega eingetroffen. Geradewegs aus Japan!

Dort hat er als Deutscher Meister bei der Azubi-Weltmeisterschaft in der Sparte der „Polymechaniker“ den siebten Platz belegt. Zufrieden ist er damit nicht, doch Ausbildungschef Rechenbach tröstet ihn: „Manchmal entscheidet halt die Tagesform.“

Polymechaniker müssen Mechanik und Elektronik ge-nauso beherrschen wie Steuerungstechnik. Und Erdmann ist immerhin Deutscher Meister. Schon der dritte, den Viega in diesem Fach hervorgebracht hat.Kein Zufall. 

Denn der Hersteller investiert viel in den Nachwuchs. Er bildet allein in Großheringen 55 junge Leute aus – somit ist jede elfte Kraft ein Azubi. Insgesamt hat der Standort 600 Mitarbeiter.

Es wird schon wieder angebaut

Das Unternehmen fertigt Millionen von Verbindungsstücken für die Verrohrung von Installationstechnik, so- genannte Fittings. Viega-Er-zeugnisse findet man zu Hause im Bad ebenso wie in der Heizung. Aber auch in Sanitäreinrichtungen von Fabriken und Verwaltungen. „Wir haben rund 6.300 Produkte im Angebot“, berichtet Werkleiter Ekkehard Wenkel.

Viega bietet die Verbindungsstücke vormontiert an, wobei sich die Dichtung in einer Nut oder Sicke befindet. Bei der Installation auf der Baustelle müssen Rohr und Fitting nur noch zusammengesteckt und anschließend verpresst werden.

Die Teile laufen so gut, dass Viega in drei Schichten arbeitet, zuweilen auch sonntags.

Weil Kupfer immer teurer wird, hat sich die Nachfrage nach Fittings aus Stahl und Edelstahl erhöht. In deren Produktion steckt die Firma gerade eine Millionensumme; es ist bereits die siebte Erweiterungsinvestition des 1991 gegründeten Werks.

Schon in wenigen Monaten laufen die Bänder an. Dann als Jungfacharbeiter dabei: Robert Erdmann. Er wird auch die neuen Azubis mit betreuen. So hat Viega die nächste Meisterschaft so gut wie in der Tasche.

Mit Qualität auf der Erfolgs-Spur

FA: Flotter in Fahrt denn je – mit Antriebstechnik für Autos 

Haldensleben. Matthias Glaw beugt sich über die Mess-bank, kneift zum Ablesen der Werte kurz das linke Auge zu. Checkt, ob die Gelenkwelle richtig montiert ist, ob Symmetrie und Rundlauf in Ordnung sind. „Passt!“, brummt der Qualitätskontrolleur.

Selten landet Ausschuss bei ihm – und so muss es auch sein. Die IFA-Gruppe in Sachsen-Anhalt beliefert unter anderem die großen Autobauer wie etwa BMW, Daimler und VW – und die haben die Messlatte besonders hoch gelegt.

Großauftrag eingefahren

Das Unternehmen, hervorgegangen aus dem ehemaligen IFA-Kombinat, hat sich als Zulieferer einen Namen gemacht. Heinrich von Nathusius, der heutige Geschäftsführende Gesellschafter, hatte die Firma 1992 gekauft und damals mit Auto-Ersatzteilen gerade mal 4 Millionen Euro umgesetzt.  Heute hat IFA zwei neue Werke, rund 400 Mitarbeiter und macht 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr. 

Jetzt fertigt das Unternehmen vor allem Antriebswellen. Bis zu fünf Jahre vor der Markt-einführung neuer Pkw-Modelle beginnen die Konstrukteure mit der Entwicklung. Dabei müssen sie auch an die Kosten denken – und zwar  beim Kunden! „Was nutzt ein gutes, preiswertes Produkt, wenn dann der Einbau ins Auto zu teuer wird?“, fragt Werner Pecht, verantwortlich für Einkauf, Vertrieb und Marketing.

Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Gerade hat IFA einen 25 Millionen Euro schweren Auftrag eingefahren.

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