Oster-Schokolade

Das gönn ich mir jetzt


Wie eine Verpackungsfirma vom Boom edler Süßwaren profitiert

Der Osterhase hat die Nase vorn – er hängt den Weihnachtsmann locker ab: Nach Auskunft des deutschen Süßwarenverbandes BDSI werden 57 Prozent der Saisonartikel-Schokolade zu Osterhasen oder Präsent-Eiern gegossen, nur 43 Prozent versüßen uns die Weihnachtszeit.

Und was an diesem Wochenende aus den Nestern geholt wird, darf ruhig auch mal ein bisschen mehr kosten. Die Parole lautet: „Das gönn ich mir jetzt“, so Thomas Pape vom industrienahen Info-Zentrum Schokolade. Er weiß: „Viele denken so – und kaufen sich dann auch mal einen richtig teuren Schoko-Trüffel, weil das der Seele jetzt einfach gut tut.“

Fast 100 Jahre im Geschäft

Satte neun Kilo Schokolade nascht jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr. Der Fachhandel hat Konjunktur, anspruchs­volle Schoko-Lädchen gibt es längst auch in kleinen Orten.

Vom süßen Boom profitiert auch die Verpackungsmanufaktur Walter in Offenbach. Seit 1914 stellt das Unternehmen exklusive Geschenk- und Süßwarenverpackungen her.

Eine der 45 Beschäftigten ist Ceyda Güntürk. Sie stanzt gerade aus gelben Kunststofffolien Teile aus, die später üppigen Präsent-Eiern sicheren Halt geben werden. An anderen Tagen fertigt Güntürk edle Konfektdosen oder Pralinenschachteln. Der Job macht ihr Spaß: „Wir machen auch kleine Mengen, deshalb ist die Arbeit nie eintönig.“

Die Stückzahlen können sogar einstellig sein, wie Geschäftsführer Roland Walter erklärt, der das von seinem Urgroßvater gegründete Familienunternehmen leitet. „Bei uns laufen 20 Aufträge gleichzeitig, selbst kleine Chargen von fünf oder zehn Stück werden hier zum großen Teil von Hand produziert.“

Das Materiallager ist gefüllt mit schlichten Kartonbögen, bunten Papieren, glänzenden Folien, edlen Stoffen: In kürzester Zeit wird daraus zum Beispiel eine mit Samt verkleidete Bonbonniere, am Schluss verziert mit einem goldenen Krönchen.

Hannelore Frahler fertigt nun 200 solcher edlen Schachteln, die eine Kondito­rei aus München geordert hat. Sorgfältig schneidet Frahler schimmernden roten Samt zu, mit dem sie dann die Bonbonnieren beklebt. „Als gelernte Maßschneiderin habe ich Glück, dass ich hier auch noch mit schönen Stoffen arbeiten kann“, sagt sie.

Confiserien und Konditoreien, aber auch Luxushotels, Geschenkartikel-Hersteller und Werbeagenturen schätzen die Vielfalt und das Tempo der Offenbacher. Zunehmend kaufen zudem private Hobby-Zuckerbäcker im Internet-Shop der Firma ein. „Heute bestellt – morgen geliefert“: Das  gilt für den größten Teil der Katalogware.

Keine Angst vor Krisen-Zeiten

Seit 2003 ist der Umsatz Jahr für Jahr um jeweils mehr als 10 Prozent gewachsen. Waren früher viele Mitarbeiter in Teilzeit beschäftigt, sind heute fast alle in Vollzeit dabei. Kontinuierlich hat Walter in Gebäude, Maschinen und die EDV inves­tiert. „Die Kunst liegt auch da­rin, Geduld zu haben, langsam und stetig zu wachsen“, erklärt der Unternehmer, dessen Firma ohne Fremdkapital auskommt.

Kurzfristige Erfolge interessieren ihn nicht: „Als Inhaber eines Unternehmens schaut man auf die nächsten fünf bis zehn Jahre, nicht nur auf die nächsten zwei.“ Die Krisen-Meldungen schrecken Walter daher kaum. „Vielleicht kommen jetzt ein, zwei schlechte Jahre, aber das stehen wir dann gemeinsam durch“, sagt er. „Seit der Firmengründung ist bei uns noch keiner betriebsbedingt entlassen worden, und das soll so bleiben.“

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Schlagwörter: Innovationen

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