Aufbau Ost

Das Glück der Saure-Gurken-Zeit


In der Krise weiter Boden gutgemacht

Halle (Saale). Ja, es gibt ihn noch: den „Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer“. Die sind zwar nicht mehr so richtig neu – aber der „Aufbau Ost“ und die „Angleichung der Lebensverhältnisse“, beteuert Thomas de Maizière, sind „ein Kraftakt, der nicht in wenigen Jahren zu vollenden ist“.

Will heißen: Das Thema wird auch durch Weltwirtschaftskrise und Euro-Sorgen nicht von der Tagesordnung verdrängt. Zumal gerade Jubiläum war, haben Sie’s gemerkt? Am 1. Juli (das war kurz vor der WM-Partie Deutschland-Argentinien) jährte sich zum 20. Mal die Einführung der D-Mark in der DDR. Wir zahlen also alle weiter brav unseren „Soli“ für den Aufbau Ost – und wollen wissen: Wie geht es denn voran?

Erstaunlich gut, wie eine aktuelle Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle belegt. Auch in der Saure-Gurken-Zeit des Jahres 2009 hat sich die Kluft zwischen Ost und West weiter geschlossen (siehe Grafik). Der Begriff Saure-Gurken-Zeit stammt übrigens vom jiddischen „Zoress“ und „Jokress“ und meint eine Zeit der „Not“ und der „Teuerung“.   

Weniger Kurzarbeit als im Westen

Was die „Not“ betrifft: Der Rückgang der Wirtschaftsleistung fiel 2009 in den fünf „neuen“ Ländern mit 3,5 Prozent deutlich geringer aus als in Westdeutschland und Berlin (5,2 Prozent). Die Zahl der Kurzarbeiter lag im Jahresmittel bei 155.000 – das waren 2,9 (statt 4,4) Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Und die Produktion in der besonders krisengeschüttelten Industrie ist im Osten um 10,5 Prozent eingebrochen – aber im Westen um 18,8 Prozent.

Das sind zwar keine wirklich tollen Nachrichten. Aber immerhin hat sich nicht bestätigt, was das ostdeutsche SPD-Urgestein Wolfgang Thierse im Jahr 1994 dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl vorhielt: „Die blühenden Landschaften werden wie Theaterkulissen durch die neuen Länder geschoben.“

Der Aufbau Ost hat mehr Substanz, als Kritiker glaubten – auch das ist ein Ergebnis des Krisenjahres 2009. Die Ost-Industrie setzte 138 Milliarden Euro um, gibt 70 von 1.000 Einwohnern Lohn und Brot. Im Westen sind es 95.

Und die „Teuerung“? Die ist in dieser Saure-Gurken-Zeit ausgeblieben – die Verbraucherpreise stiegen 2009 um winzige 0,4 Prozent. Und das Statistische Bundesamt blickt nach vorn: Separate Inflation für Deutschland Ost und Deutschland West weist es schon seit zehn Jahren nicht mehr aus.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang