Wichtige Kennzahl wird oft ganz falsch verstanden

Das gesetzliche Rentenniveau – was ist das eigentlich genau?

„Sinkende Renten“? So was gibt’s in Deutschland nicht! Leider geht das in der politischen Debatte oft unter: Gestritten wird über das relative Niveau der Altersbezüge. AKTIV erklärt, was man im Wahljahr wissen sollte.

Berlin. Das Schlimmste, was unseren Rentnern rein finanziell passieren kann, ist eine Nullrunde – das Ausbleiben der jährlichen Rentenerhöhung. Das hat’s schon gegeben, zuletzt 2010, im Gefolge der weltweiten Krise. Dass aber eine laufende Rente in Euro und Cent reduziert wird, ist praktisch ausgeschlossen: durch sehr breiten politischen Konsens, formell verankert in einer „Schutzklausel“ im Sozialgesetzbuch.

Unsere Renten werden auch weiterhin recht stetig steigen, dafür gibt es detaillierte gesetzliche Regeln. Wenn also jemand vor „sinkenden Renten“ warnt, ist das wörtlich genommen: Unfug.

Tatsächlich geht es dann meistens um das Rentenniveau. Genauer: Um das „Sicherungsniveau vor Steuern“. Das ist aber keine absolute, sondern eine relative Größe: Sie vergleicht die Rente des „Standardrentners“, der genau 45 Jahre genau durchschnittlich verdient hat, mit dem Durchschnittsverdienst. Bis 2030 wird dieses Niveau laut Prognose der Regierung sinken, auf 44,5 Prozent (die geltende Untergrenze, 43 Prozent, wird nicht erreicht).

Wenn das Sicherungsniveau also im Vergleich zu heute um knapp ein Zehntel sinkt, heißt das nur, dass es Neurentnern 2030 im Vergleich zu Werktätigen nicht mehr ganz so gut geht wie jetzt. Steuern sind bei der Rechnung aber ebenso außen vor wie zum Beispiel Betriebs- oder Riester-Renten. Und dieser Rückgang ist kein Skandal, sondern nötig. Weil unsere Gesellschaft immer mehr Rentner versorgen muss, die im Schnitt immer länger leben.

Die „Wirtschaftsweisen“ im Sachverständigenrat fassen das so zusammen: „Das demografiebedingte Absinken des Sicherungsniveaus bedeutet nicht, dass die Renten sinken – sondern lediglich, dass sie langsamer wachsen als die Löhne.“ Weil diese aber meistens deutlich stärker steigen als die Preise, „dürfte sich die Kaufkraft der Renten in Zukunft weiter erhöhen“.


Mehr zum Thema:

Alt gegen Jung, Berufstätige gegen Ruheständler – beim Thema Rente brennt ganz schnell der Baum. Lesen Sie unser großes Themen-Special mit vielen Fakten, Tipps und einem familiären Streitgespräch zur Altersvorsorge.

Das Betriebsrentenstärkungs­gesetz soll wichtige Reformen bringen. Was steckt hinter Begriffen wie „Zielrente“ und „opting out“? AKTIV sprach darüber mit Marco Arteaga, Mitautor eines Gutachtens fürs Arbeitsministerium.

Die Flexi-Rente ist da – zumindest schon teilweise seit 1. Januar 2017. Jetzt soll es leichter werden, im Alter einem Job nachzugehen und eine vorgezogene Rente zu bekommen. Wir erklären Ihnen hier die Änderungen.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang