Deutschlands neue Lohn-Untergrenze: Das wird teuer!

Das geplante Mindestlohn-Gesetz birgt hohe Risiken – und eine Falle für junge Leute

Neue Untergrenze: Das Brutto für eine Stunde Arbeit. Foto: Roth

Berlin. 8,50 Euro – wer das hört, weiß, worum es geht: um den Mindestlohn. Ab 2015 soll er kommen, 2018 erstmals steigen. Festgelegt haben das nicht Tarifpartner, sondern Politiker. Die Bundesregierung hat jetzt einen teuren Gesetzentwurf auf den Weg gebracht.

510 Milliarden Euro mehr Arbeitskosten bis 2030

Laut Berechnung des renommierten Prognos-Instituts „summiert sich der Impuls auf die Arbeitskosten bis 2030 auf 510 Milliarden Euro“. So viel müssten in dem von Mindestlohn-Befürwortern erhofften Fall – dass alle ihre Jobs behalten – die Betriebe zusätzlich zahlen: im Schnitt jährlich 32 Milliarden.

Das Geld müssen letztlich die Verbraucher aufbringen, wenn die Firmen ihre Preise entsprechend erhöhen können. Oder es gehen eben doch massenhaft Jobs verloren, die sich nicht mehr rechnen. Vom Mindestlohn betroffen sind vier bis fünf Millionen Menschen, vor allem Minijobber und Teilzeitkräfte. Die „Wirtschaftsweisen“ im Sachverständigenrat der Regierung warnen vor Job-Risiken für Geringqualifizierte und mehr Schwarzarbeit.

Und die Industrie fürchtet um ein wichtiges Stück Flexibilität: Der Gesetzentwurf schränkt nebenbei die Möglichkeit ein, Überstunden auf Arbeitszeitkonten anzusammeln. Das soll wohl verhindern, dass der Mindestlohn durch dauerhaft unbezahlte Mehrarbeit unterlaufen wird – doch es würde vielen Betrieben erschweren, auf Auftragsschwankungen zu reagieren.

Überdies warnt der Arbeitgeber-Dachverband BDA: Die Regierung nehme „leichtfertig einen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in Kauf“. Statt eine Ausbildung zu beginnen (für die der Mindestlohn natürlich nicht gilt), würden viele Schulabgänger künftig lieber für 8,50 Euro jobben. „Dann kommt man fast bei 1.500 Euro brutto raus“, rechnet Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer vor. „Das ist für manchen Jugendlichen ohne Abschluss sicher reizvoll – aber ein vergifteter Köder. Denn das sind die Ersten, die arbeitslos werden.“

Zum Entsetzen vieler Bildungsexperten soll der Mindestlohn nämlich schon ab 18 Jahren verbindlich sein – die Ausbildungsanfänger sind aber laut BDA im Durchschnitt deutlich älter, exakt 19,8 Jahre.

Ob die jungen Leute alle so schlau sind, den Irrweg „Jobben statt Ausbildung“ zu vermeiden? Die Bundesagentur für Arbeit stellt sich jedenfalls schon mal auf mühsame Überzeugungsarbeit ein: Sie will „jeden Jugendlichen gut beraten, damit er erkennt, wie wertvoll eine Ausbildung ist – und auf den Lohnvorteil eines 8,50-Euro-Jobs verzichtet“.


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