Energie

Das Fass läuft über


Ölpreis-Rekord schockt Autofahrer – und verblüfft Experten

Berlin. Über 1,50 Euro pro Liter Sprit: Da könnte mancher vor Wut in die Zapfpistole beißen. Rekord-Rechnung auch beim Heizöl – und der Gaspreis wird mit Verzögerung nachziehen. Alles aus einem Grund: Der Rohöl-Preis geht durch die Decke.

Mehr als 130 Dollar kostete das Barrel-Fass Mitte Mai: doppelt so viel wie ein Jahr zuvor! Selbst Top-Profis waren verblüfft. „Den starken Anstieg haben wir so nicht vorausgesehen“, sagte Shell-Finanzchef  Peter Voser. Was sich derzeit am Markt abspiele, sei „verrückt“, befand Abdullah Al Badri, Generalsekretär der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC).

Politische Krisen und pure Spekulation drehen mit an der Preis-Schraube. Über den Anteil der spekulativen Übertreibung streitet die Fachwelt allerdings heftig. Und so prognostizierte die Investmentfirma Goldman Sachs, dass ein Fässchen Öl bald 200 Dollar kosten  dürfte  –  während  andere Experten meinen, dass der Preis auch wieder unter 100 Dollar fallen könnte.

„Anstieg der Preise programmiert“

Den kleinsten gemeinsamen Nenner formuliert Hu-bertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „Entscheidend ist: Die Zeiten des billigen Öls mit Preisen von deutlich unter 50 Dollar werden nicht wiederkommen.“

Das liegt vor allem am Öl-Durst in China und anderen Schwellenländern. Josef  Auer,  Deutsche  Bank Research, erklärt: „Die global expandierende Energienachfrage erfordert die merkliche Ausweitung des Angebots – da das bei Erdöl immer schwieriger wird, ist ein Anstieg der Preise programmiert.“

Ob und wie sehr ein Unternehmen darunter leidet, hängt zum Beispiel von der Branche ab. Dabei steht die deutsche Wirtschaft vergleichsweise gut da: „Unsere Firmen nutzen Energie viel besser als früher – und deutlich effizienter als andere wichtige Industriestaaten“, betont IW-Experte Bardt.

Dennoch warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie: „Die Rekordstände beim Ölpreis können sich zu einer Belastung für die Konjunktur entwickeln“ – nicht zuletzt, weil der private Konsum leide.

Der ADAC fordert Steuersenkungen: „Von jedem ge-tankten Liter Benzin fließen 89 Cent in die Staatskasse“, betont Vizepräsident Ulrich Becker, „dieser extrem hohe Steuersockel ist mitschuldig an der jetzigen Misere.“

„Die Senkung der Sozialab- gaben ist das Gebot der Stunde“, meint wiederum Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Das brächte Arbeitnehmern mehr netto – und den Betrieben geringere Kosten.

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