Leitartikel

Das Ende der Armutslüge

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Nicht wenige Leute im Land halten die Soziale Marktwirtschaft für eine Mogelpackung: Sie nütze nur „denen da oben“, glauben sie, immer mehr Menschen blieben auf der Strecke. Vor Wochen wurde diese Weltsicht noch einmal ordentlich befeuert: „Die Armut in Deutschland hat ein neues Rekordhoch erreicht“, behauptete der Paritätische Wohlfahrtsverband, eine Dachorganisation von 10.000 Gruppen und Grüppchen im Sozial- und Gesundheitsbereich. Und: „Der Anstieg ist fast flächendeckend.“

Was folgte, war ein reinigendes Gewitter. Das Ende der Armutslüge, die immer wieder eine vernünftige Wirtschaftspolitik erschwert. Eingeleitet von zwei Zeitgenossen, die gewiss nicht im Verdacht stehen, die soziale Lage schönzureden.

„Ich musste das selbst meiner Mutter erklären, dass es keinen allgemeinen Anstieg der materiellen Armut gibt“, sagte sichtlich genervt Andrea Nahles, einst Chefin der Jungsozialisten und heute Arbeitsministerin. Die Soziallobby führe „in die Irre“. Und Professor Georg Cremer, Generalsekretär des Caritasverbands, schimpfte: Seinen Branchenkollegen fehle es an „intellektueller Redlichkeit“.

Nach der Logik der Armutslüge lebt jeder im Elend, dessen Haushaltseinkommen unter 60 Prozent des mittleren Werts liegt. Das ist absurd. Jeder Azubi oder Student, der in die erste eigene Bude zieht, erhöht die so definierte Armutsquote. Und wären wir alle doppelt so reich – die Quote bliebe unverändert!

Natürlich gibt es soziale Not. Aber die Lage ist besser als früher, auch für die Schwachen. „Nichts deutet darauf hin, dass dieses Land in Kürze zerbricht“, so Caritas-Mann Cremer. Es sei Zeit für ein Ende der „panischen Überzeichnungen“.


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