Helfen in der Freizeit

Das Ehrenamt – mehr als Alltag und Routine


Vier Menschen aus der Metall- und Elektro-Industrie verhelfen Menschen zu einem lebenswerten Leben

Jürgen Purschke: Tandem-Tour mit Sehbehinderten

Das war der letzte Ausflug. Die 40 Tandems sind gut verpackt und warten nun auf das kommende Frühjahr, so wie Jürgen Purschke aus Schaafheim. „Dann geht’s endlich wieder los“, sagt der 55-jährige gelernte Dreher und man sieht ihm die Vorfreude schon jetzt an.

Den Wind um die Nase wehen lassen

Seit 1991 engagiert er sich in seiner Freizeit als TandemPilot beim Verein „Die weiße Speiche“ in Frankfurt. Von März bis Oktober wird einmal im Monat für Blinde und Sehbehinderte ein Ausflug in die Natur organisiert. „Für viele Sehbehinderte ist das die einzige Chance, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und die Welt aus einer anderen Perspektive zu erleben“, erzählt Purschke.

Doch nicht nur im Ehrenamt ist er für andere da. Purschke arbeitet beim Offenbacher Automobil-Zulieferer GKN Driveline Deutschland in der Qualitätssicherung. Zudem ist er Sicherheitsbeauftragter, Betriebssanitäter und Suchthelfer im Arbeitskreis Sucht der Firma.  „Vielleicht ist all das einfach meine Art Danke zu sagen für ein gutes Leben, eine wunderbare Frau, gesunde Kinder und Enkelkinder“, sagt Purschke.

Simone Weinmann-Mang: Reden und Helfen in der Kirche

Zur Christmette am Heiligen Abend ist „ihre“ Kirche der katholischen Gemeinde St. Thomas Morus voll. Für Unternehmerin Simone Weinmann-Mang ist das immer ein besonderes Erlebnis: „Ich spüre die Freude der Menschen und erlebe, wie sie an diesem Ort wenigstens für den Moment einmal alles vergessen“, so die Unternehmerin. „Im Alltag müssen alle funktionieren. Krankheit oder Schwäche werden selten akzeptiert. Hier kommen sie bei Kerzen und Lichterschein zur Ruhe. Das bekommt in unserer hektischen Welt immer mehr Bedeutung.“

Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie das Familienunternehmen Arno Arnold in Obertshausen. In ihrer Freizeit engagieren sich die beiden in der Kirche. Seit sechs Jahren ist Weinmann-Mang Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der beiden Pfarreien St. Thomas Morus und Herz-Jesu in Obertshausen und Vorsitzende des Seelsorgerates von Hausen und Oberts­hausen.

Offenes Ohr für die Sorgen

Es gibt viel zu tun. 60 Angestellte zählen die beiden Pfarreien sowie über 350 ehrenamtliche Helfer. Zehn Gebäude müssen unterhalten werden, darunter zwei Kindergärten. Großen Anklang finden die Oase und der Babykorb. Diese Einrichtungen unterstützen sozial Schwache durch die Ausgabe von Lebensmitteln, Kleidung, Baby-Zubehör oder Spielzeug.

„Viele kommen auch, um hier zu reden. Sie wissen, dass sie bei den ehrenamtlichen Helfern immer ein offenes Ohr für ihre Sorgen finden“, sagt die Katholikin.

Werner Scherer: Die menschliche Begleitung in den Tod

Kaum ein anderes Thema wird so gerne verdrängt wie Trauer und Tod. „Doch wir müssen begreifen, dass das Leben endlich ist. Jeden holt es irgendwann ein“, so Dr. Werner Scherer, Geschäftsführer der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände in Frankfurt.

Spezialgebiet des Juristen ist die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Und auch privat liegen ihm die sozialpolitischen Themen am Herzen. Seit vier Jahren ist er Mitglied im Kuratorium des „Hospiz Haus Emmaus“ in Wetzlar. Er hilft damit, den Hospiz-Gedanken zu verbreiten, wirbt um Spenden und ehrenamtliche Un­terstützung.

Lachen, feiern und weinen

„Ein Hospiz, das ist kein ‚Sterbehaus‘. Es ist ein Ort, an dem Menschen bis zu ihrem Tod medizinisch und seelisch begleitet werden. Hier wird gelebt, gelacht, gefeiert und auch geweint. Niemand sollte auf seinem letzten Weg allein sein, doch nicht jeder hat Familienangehörige, die sich um ihn kümmern können“, erläutert der 59-Jährige.

Das Haus Emmaus hat Platz für acht Gäste. Sie werden von 15 hauptamtlichen Mitarbeitern betreut, die in erster Linie die Pflege übernehmen. Unterstützt werden sie von 35 ehrenamtlichen Helfern.

Die Kosten werden zu gut 90 Prozent von den Kassen übernommen. Den Rest muss ein Hospiz selbst aufbringen. Das ist vom Gesetzgeber so gewollt. Scherer: „So bleibt der Mensch im Mittelpunkt.“

 

Kevin Heck: Brände löschen, Wasser pumpen

Für Kinder sind wir echte Helden!“ Kevin Heck, aktives Mitglied der Einsatz­abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Egelsbach, freut sich über jedes kindliche „Hallo“ auf der Straße. „Das gibt mir sehr viel.“

Bei Erwachsenen erlebt der 27-jährige Fluggerätmechaniker das immer weniger. Ein Danke hört er nach einem der durchschnittlich 100 Einsätze im Jahr nur selten. Egal, ob Verletzten geholfen, ein Brand gelöscht oder ein Keller leer gepumpt wurde.

Heck: „Scheinbar denkt kaum jemand daran, dass wir  unsere Freizeit opfern.“

Drei- bis viermal pro Woche ist er für die Feuerwehr aktiv.  Er geht auf Schulungen, gibt sein Wissen weiter, probt mit Kameraden den Ernstfall. Zudem ist er stellvertretender Ju­gendwart, zuständig für die Brandschutzerziehung in Kindergärten und Grundschulen.

Teamgeist und Kameradschaft

Der gelernte Fluggerätmechaniker arbeitet bei Röder Präzision am Flugplatz Egelsbach. Kommt es zum Einsatz, kann er, so wie drei andere Kollegen, sofort ausrücken.  Teamgeist und Kameradschaft halten ihn bei der Feuerwehr: „Manche halten mich für bekloppt, aber ich weiß, dass der Weg richtig ist.“

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