Frankfurter Buchmesse

Das E-Book legt kräftig zu, doch Gedrucktes bleibt weiter stark gefragt


München. Den 9. Oktober haben sich viele Buchfans dick im Kalender angestrichen. Die Frankfurter Buchmesse beginnt: Händler und Verleger diskutieren über die Zukunft einer Branche, die mitten in der digitalen Revolution steckt.

Am gleichen Tag kommt aber auch der neue E-Reader „Kindle Paperwhite“ auf den Markt – und wird genau diese digitale Revolution beschleunigen. Der Onlinehändler Amazon will mit dem Lesegerät für E-Books der Konkurrenz weitere Kunden abjagen.

Der deutsche Buchmarkt ist in Bewegung. Und es geht um sehr viel Geld. Denn die Deutschen sind Leseratten. Im vergangenen Jahr gaben sie rund 6,5 Milliarden Euro für Bücher aus, so eine Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC). Das waren rund 80 Euro pro Einwohner – deutlich mehr als etwa in den USA (65 Euro), Großbritannien (50 Euro) oder Frankreich (40 Euro).

„Kleinere Läden müssen sich Nischen suchen und das Onlinegeschäft ausbauen“

Den rund 6.000 deutschen Buchläden stehen trotzdem schwere Zeiten bevor. Es gilt als sicher, dass sie ihren Marktanteil von derzeit knapp 50 Prozent nicht halten können. „Wir haben im stationären Handel ein großes Sterben vor uns“, prognostiziert Professor Michel Clement, Ökonom und Buchmarkt-Experte an der Uni Hamburg.

Onlineversender wie Amazon beherrschen ein Sechstel des Marktes. Tendenz steigend. Den Rest teilen sich die Verlage mit sonstigen Verkaufsstellen wie Warenhäuser oder Tankstellen.

Und jetzt kommt noch ein Geschäft in Fahrt, in dem der Einzelhandel nur verlieren kann: E-Books. Die Menschen laden sich zunehmend Bücher digital aufs Lesegerät. Und das machen sie meist bei bekannten Onlinehändlern. Der Umsatz (ohne Schul- und Fachbücher) stieg von 2011 bis 2012 von 35 auf 102 Millionen Euro, so das Marktforschungsinstitut GfK.

Trotzdem bleiben gedruckte Bücher in den kommenden Jahren stark gefragt. Für 2017 schätzt die Unternehmensberatung PwC den Umsatz auf 6 Milliarden Euro – ein Marktanteil von 87 Prozent. Beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Verband der Händler und Verlage, ist man deshalb zuversichtlich, dass sich viele Händler behaupten können. „Kleinere Läden müssen sich ihre Nischen suchen und wie die größeren das Onlinegeschäft ausbauen“, umreißt eine Sprecherin die Strategie. Manche Buchhandlung werde mehr auf Veranstaltungen und Lesungen setzen, andere sich auf bestimmte Themen spezialisieren.

Insbesondere den kleinen Buchgeschäften dürften in ihrem Überlebenskampf auch die speziellen Marktbedingungen in Deutschland sehr entgegenkommen. Die Buchpreisbindung verhindert Rabattschlachten der Branchenriesen.

Und zusätzlich benachteiligt die Umsatzsteuer das E-Book. Es zählt im Gegensatz zum Buch nämlich steuerrechtlich zu den Dienstleistungen – mit einem höheren Steuersatz. Es gelten 19 statt 7 Prozent.

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