Konjunktur

Das Comeback der Auto-Industrie


Sie ist wieder da – und allen voran die Premium-Marken

Das also soll die „volle Katastrophe“ sein: Au­di peilt einen Rekordabsatz an, BMW erzielt wieder gute Gewinne, Mercedes-Benz verkaufte vor drei Monaten so viele Autos wie nie zuvor im September.

Rückblick: „Die Abwrackprämie hat 2009 die Wahrheit abgeschirmt, also wird 2010 erst die volle Katastrophe folgen“ – das prophezeite vor exakt einem Jahr die „Forschungsstelle Automobilwirtschaft“ in Bamberg den deutschen Herstellern. Und Politiker warfen ihnen vor, sie hätten die falschen Modelle: zu groß, zu schwer.

„Sie treffen den Geschmack“

Jetzt sind die Schwarzmaler verstummt. Die Oberklasse von Audi, BMW und Daimler findet reißenden Absatz, hat zum Teil lange Lieferzeiten. „Wir verzeichnen in Deutschland den höchsten Auftragsbestand aller Zeiten“, sagt Peter Schwarzenbauer, Audi-Vorstand für Vertrieb und Marketing. Die neuen Modelle A1, A7 und A8 sollen den Verkauf weiter antreiben.

Haben unsere Auto-Manager doch einen besseren Riecher, als so mancher kritische Beobachter behauptete? Sie „setzen auf schnelle und teure Protzautos“, tönte etwa der Grünen-Politiker Wilfried Hermann, immerhin Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag. Wenn es so weiter-gehe, werde man „bald zur Nischenbranche“.

Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobil­industrie, kontert jetzt trocken: „Mit ihrer Modellpolitik treffen die deutschen Hersteller offensichtlich den Geschmack des Kunden.“ Dabei werde das Thema Klimaschutz nicht ignoriert: Die Autos deutscher Konzernmarken, die im September im Inland auf die Straße kamen, erzeugen im Schnitt 4 Prozent weniger Kohlendioxid als die Neuwagen ein Jahr zuvor.

Zwar verkaufen sich einige deutsche Marken im Inland  schlechter als im Vorjahr – bis Oktober beträgt das Minus 22 Prozent. Doch wegen des boomenden Exports wurden in dieser Zeit trotzdem 12 Prozent mehr gebaut – und die Hersteller hoffen, dass die Auslandsnachfrage nicht wieder einbricht.

Von der Abwrackprämie hatten die Premium-Hersteller Audi, BMW und Daimler kaum profitiert, obwohl ja auch sie etliche kleinere Modelle im Angebot haben.

2010 kehrt sich das Bild um: Ihr Inlandsabsatz ist gegen den Branchentrend vergleichsweise stabil. So muss Mercedes-Benz im bisherigen Jahresverlauf nur ein Minus von 2 Prozent hinnehmen. Im Oktober lag der Verkauf in Deutschland wieder 14 Prozent höher als ein Jahr zuvor. „Damit erzielten wir hier mit 11 Prozent den bislang höchsten Marktanteil seit zwei Jahren“, sagt Joachim Schmidt, Mitglied der Geschäftsleitung.

Ob es so rasant weitergeht, ist ungewiss

Und im Ausland wachsen unsere Premium-Hersteller kräftig: BMW verkaufte von Januar bis Oktober 88 Prozent mehr in China als ein Jahr zuvor. China ist schon der drittgrößte Markt. Dass es insgesamt wieder rundläuft, erklärt BMW-Chef Norbert Reithofer vor allem so: „Wir profitieren davon, dass wir auch in der Krise in neue Modelle investiert haben.“

Hersteller und Zulieferer genießen den Höhenflug mit Vorsicht, denn eine Konjunkturschwäche könnte die Nachfrage wieder schmälern. Nach dem rasanten Boom ist ungewiss, wie es weitergeht.

Eine „Nischenbranche“ aber sieht anders aus. Christoph Stürmer vom US-Beratungsunternehmen IHS Automotive schüttelt über die Unkerei in der Krisenzeit den Kopf. „Die deutschen Premium-Hersteller haben die richtigen Produkte“, sagt er. „Nämlich die, die ihre Zielgruppe haben will.“ Das seien Käufer, die solide Produkte schätzten. Und: Dass sich unter der Kühlerhaube ein effizienter Motor finde, sei doch mittlerweile selbstverständlich.

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