Mehr Leistungen für Demenzkranke und erhöhter Beitragssatz

Das bringt die Pflegereform 2013

Schon heute leben in Deutschland rund 2,4 Millionen pflegebedürftige Menschen. Etwa die Hälfte von ihnen leidet an Alzheimer oder anderen Demenzkrankheiten. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wird sich die Zahl der Altersverwirrten bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Denn: Die Deutschen werden immer älter.

Deshalb hat der Bundestag das sogenannte Pflege-Neuausrichtungsgesetz beschlossen. Es sieht ab 2013 Verbesserungen für demenzkranke Menschen und eine Förderung der privaten Pflegevorsorge vor:

Höhere Leistungen für Demenzkranke

Zum ersten Mal bekommen Menschen mit Demenz, die in keine Pflegestufe beziehungsweise Pflegestufe 0 eingruppiert sind und durch Angehörige oder ambulante Pflegedienste betreut werden, Anspruch auf folgende monatliche Leistungen: 120 Euro als Pflegegeld oder Pflegesachleistungen im Wert von bis zu 225 Euro.

Auch in den Pflegestufen 1 und 2 sollen die Leistungen pro Monat aufgestockt werden:

  • in Stufe 1 um 70 Euro auf 305 Euro als Pflegegeld oder um 215 Euro auf bis zu 665 Euro als Sachleistungen
  • in Stufe 2 um 85 Euro auf 525 Euro als Pflegegeld oder um 150 Euro auf bis zu 1.250 Euro als Sachleistungen.

Stärkere Förderung von neuen Wohnformen

Pflegebedürftigen soll ermöglicht werden, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben oder so leben zu können, wie sie es möchten. Unter bestimmten Umständen gibt es für Pflege-Wohngemeinschaften 200 Euro zusätzlich für jeden Pflegebedürftigen. Für die Gründung einer solchen Wohngruppe und notwendige Umbaumaßnahmen können pro Person einmalig 2.500 Euro gezahlt werden, maximal 10.000 Euro pro WG.

Besserer Service der Pflegekassen

Wenn ein Antrag gestellt wird, müssen die Pflegekassen innerhalb von zwei Wochen einen Beratungstermin anbieten. Der Versicherte darf selber entscheiden, ob das Gespräch in der häuslichen Umgebung oder in der Pflegeeinrichtung stattfindet. Wenn die zuständige Pflegekasse nicht innerhalb einer bestimmten Frist über einen Leistungsantrag entscheidet, muss sie dem Antragsteller für jede begonnene Woche der Fristüberschreitung 70 Euro zahlen.

Mehr Entlastung für pflegende Angehörige

Künftig wird das Pflegegeld zur Hälfte weitergezahlt, wenn die Angehörigen im Urlaub oder verhindert sind.

Flexiblere Leistungen

Demenzkranke und Angehörige sollen besser darüber entscheiden können, welche Art der Pflegeleistung man erhält. So bieten ambulante Pflegedienste künftig neben der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung gezielt Betreuungsleistungen an. Diese können auch von solchen Pflegebedürftigen in Anspruch genommen werden, die nicht an Demenz leiden. Außerdem können mit den Pflegediensten bestimmte Zeitkontingente vereinbart werden.

Förderung der privaten Pflege-Vorsorge

Begleitet wird die Pflegereform von der Einführung des sogenannten Pflege-Riesters. Diese staatlich geförderte private Zusatzversicherung bringt eine Förderung von 5 Euro pro Monat. Dafür muss man mindestens 10 Euro monatlich einzahlen. Eine Gesundheitsprüfung oder Risikozuschläge soll es nicht geben.

Höherer Pflege-Beitrag ab 2013

Damit die zusätzlichen Leistungen finanziert werden können, wird der Beitragssatz in der gesetzlichen Pflegeversicherung zum Januar 2013 angehoben: von derzeit 1,95 auf 2,05 Prozent. Kinderlose zahlen 2,3 Prozent. Dadurch fließen 1,1 Milliarden Euro zusätzlich in die Pflegekassen.

Neben den genannten Leistungen enthält das Pflege-Neuausrichtungsgesetz weitere Verbesserungen – auch in anderen Bereichen wie der Hebammenhilfe. Alle Informationen lesen Sie auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit:
www.bundesgesundheitsministerium.de/pflege/das-pflege-neuausrichtungs-gesetz.html


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