Standort D

Das Boot auf Kurs halten


Eine Menge Unternehmen investieren gerade jetzt in Forschung und Anlagen

Die Schlechtwetter-Front bei der Konjunktur hat die Chemie voll er­wischt. Das Meer ist unberechenbar geworden. Die Chefs der Unternehmen tun ihr Bes­tes, die Firmenschiffe auf Kurs zu halten. Da ist die gesamte Mannschaft gefordert: Lage peilen, Segel stellen, Ruder halten, Vorräte einteilen, Schäden be­seitigen. Damit das Schiff nach dem Unwetter wieder volle Fahrt aufnehmen kann.

Ruder halten, das ist jetzt auch bei den Investitionen nötig. Zum Beispiel bei denen in neue Ideen und Produkte.

BASF in Ludwigshafen und Bayer in Leverkusen lassen deshalb bei der Forschung kein biss­chen nach. „In der langen Geschichte des Unternehmens haben wir schon mehrere Krisen erlebt, aber niemals unsere Innovationskraft geschwächt“, sagt BASF-Forschungsvorstand Andreas Kreimeyer.

Bayer peilt Forschungsrekord an

Deshalb haben die Ludwigshafener vor, das „hohe Niveau“ der Forschungsausgaben der letzten Jahre zu halten. Und die Leverkusener wollen sogar so viel Geld in die Forschung investieren wie noch nie: stolze 2,9 Milliarden Euro. Bayer-Chef Werner Wenning warnt: „Wer jetzt bei den Zukunftsausgaben spart, verlagert die Auswirkungen der Krise auf die nächsten Jahre.“

Die Bayer-Forscher stellen daher die Segel für die Zeit nach dem Unwetter: Sie entwickeln neue Arzneien, bessere Wirkstoffe für den Pflanzenschutz sowie Materialien für Energie­sparen und Klimaschutz. Zum Beispiel neue Werkstoffe, die Ro­torblätter von Windanlagen länger, Autos und Flieger leichter machen.

Auch die Wissenschaftler der BASF tüfteln an den neuen Energien. Biegsame Solarzellen, Brennstoffzellen und bessere Batterien fürs Elektroauto sind zum Beispiel ihr Ziel. Sowie Verfahren, Chemie-Grundstoffe mit Hilfe von Bakterien oder Pflanzen statt aus Erdöl zu gewinnen.

Klaren Kurs Richtung Sonnenenergie hält zudem die Wacker Chemie in München. Sie startet gerade den nächsten Bau einer Produktionsanlage für Solarsilizium. 760 Millionen Euro will sie dafür in Nünchritz bei Dresden investieren. Das soll 450 Jobs bringen. Auch in Burghausen erweitern die Münchner die Sonnensilizium-Produktion.

Ruhiger segeln zurzeit die Pharma-Hersteller dahin, wo das Geschäft nach wie vor läuft. Konzerne wie Roche bleiben daher auf Investitionskurs. Knapp 6 Milliarden Euro wollen die Basler allein in diesem Jahr in Forschung und Arznei-Entwicklung stecken, davon fließt ein Großteil nach Deutschland.

Und das Unternehmen zieht hierzulande Anlagen, Labors und Büros hoch. „Rund 500 Millionen Euro sind für den Ausbau un­serer Standorte in Grenzach, Mannheim, Kulmbach und Penzberg verplant“, schildert Roche-Vorstand Ha­gen Pfundner. „Wir setzen auf Kontinuität.“

Tesa schippert mit neuen Produkten

Und der Arznei-Hersteller Novartis Behring errichtet für fast 170 Millionen Euro in  Mar­burg eine neue Produktion für Impfstoffe (gegen Tollwut, Hirnhaut-Entzündung).

Tesa in Hamburg holt sich neue Produkte ins Boot. Mehr als 50 Millionen Euro investiert der Klebeband-Hersteller al­lein 2009. Unter anderem in eine Reinraum-Anlage, in der Vorprodukte für Elektronik so­wie Arzneipflaster hergestellt werden sollen. „Das si­chert unseren langfristigen Er­folg“, sagt Vorstandsmitglied Robert Gereke. „Wenn’s wieder aufwärts geht, starten wir gleich mit neuen Produkten.“

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