Armut und Arbeitslosigkeit sind die großen Probleme

Darum geht´s bei der US-Wahl


Am 6. November fällt die Entscheidung: Bleibt Barack Obama für vier weitere Jahre Präsident der USA oder gewinnt Herausforderer Mitt Romney? Egal, wie es ausgeht – der mächtigste Mann im Land muss sich dem Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Armut stellen.

Dieser Gegner ist riesig: Von den 312 Millionen US-Bürgern waren in den ersten neun Monaten dieses Jahres durchschnittlich fast 13 Millionen arbeitslos gemeldet. Und rund 46 Millionen Menschen gelten als „arm“ – das ist aktuell in den USA der Fall, wenn etwa eine vierköpfige Familie umgerechnet weniger als 17.600 Euro im Jahr zur Verfügung hat.

Immerhin war die Arbeitslosenquote zuletzt wieder rückläufig. Sie lag im September (bezogen auf die Bevölkerung ab 16 Jahren) bei 7,8 Prozent – und damit erstmals seit Januar 2009, dem Monat von Obamas Amtsantritt, wieder unter 8 Prozent. „Die Dinge werden besser“, sagt James Glassmann, Chefökonom der US-Großbank JP Morgan. „‚Aber es ist ein kleiner Schritt in einem großen Projekt.“

Lebensmittelkarten und Arztkosten

Obamas großes Projekt ist, die Zahl der Bedürftigen zu verringern. Bisher gelang das nicht. „Die jahrelange Finanz- und Immobilienkrise dürfte der zentrale Grund dafür sein“, sagt Michael Blank, kommissarischer Geschäftsführer der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York.

Amerika hat den Schock vom Herbst 2008 noch nicht so gut weggesteckt wie Deutschland. Damals brachte die Pleite der US-Großbank Lehman Brothers die ganze Weltwirtschaft ins Rutschen. Ein Härtetest für das US-Sozialsystem:

Sozialhilfe bekommen aktuell nur 4,5 Millionen Amis. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es seit etwa 20 Jahren nicht mehr. Stattdessen entscheiden die Bundesstaaten, wer unterstützt wird: generell nur Mütter mit Kindern unter 18 Jahren – und nur für maximal fünf Jahre im gesamten Leben.

Arbeitslosenhilfe erhalten Beschäftigte in den meisten Bundesstaaten für höchstens 26 Wochen. Sie kann in Ausnahmefällen um 13 Wochen verlängert werden. Aktuell werden etwas mehr als 5 Millionen Menschen ohne Job unterstützt.

Eines der größten Programme für Arme sind Lebensmittelkarten: Mit Geldkarten, die vom Staat aufgeladen werden, wird an der Supermarkt-Kasse bezahlt. Aktuell gibt es sie für mehr als 46 Millionen Menschen – 2008 waren es erst 28 Millionen. Eine vierköpfige Familie erhält umgerechnet gut 500 Euro im Monat.

Für die medizinische Versorgung von Geringverdienern, Behinderten und armen Älteren sorgt „Medicaid“, seit 1964. Derzeit übernehmen der Bund und die Staaten damit für 56 Millionen Bürger den weitaus größten Teil der Gesundheitskosten. Romney kündigte an, die Mittel für Medicaid zu kürzen – Obama will das Programm ausweiten. Auch darüber stimmen die USA mit der Präsidentschaftswahl ab.

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