Aus dem Meer gerettet

Dank Chemie bleiben „Titanic“-Funde bis heute erhalten

Speyer. Vor mehr als 100 Jahren sank der Luxusdampfer „Titanic“, 1.500 Menschen starben bei der Katastrophe. Das Historische Museum der Pfalz in Speyer zeigt derzeit rund 250 Funde aus dem Meer: Teile des Schiffs und persönliche Gegenstände der Passagiere.

Alle Objekte lagen bis zu ihrer Bergung mindestens 73 Jahre lang in fast 4.000 Meter Tiefe. „Der hohe Salzgehalt im Meer und die Mikroorganismen setzen den Gegenständen stark zu“, sagt Christine Lincke, Restauratorin im Sammlungszentrum des Museums.

Dass die Funde überhaupt erhalten sind, ist den extremen Bedingungen auf dem Meeresboden zu verdanken: hoher Druck, Dunkelheit, klirrende Kälte. Es fehlt an Sauerstoff. „Das hat den Zerfall verzögert“, weiß Lincke. Spezielle Restaurierungstechniken bewahren die Funde an der Oberfläche.

Eisen- und Stahlteile etwa rosten an der Luft in kürzester Zeit und zerbröseln regelrecht. „Die Salze reagieren mit dem Sauerstoff und der Luftfeuchtigkeit. Es bilden sich Blasen, die die Oberfläche quasi sprengen“, erklärt die Expertin. Dagegen hilft ein Entsalzungsbad aus Natriumsulfit und -hydroxid. Die Chemikalien lösen die Salze behutsam aus dem Material. Die Oberfläche lässt sich anschließend mit Wachs oder Kunstharzen schützen.

Kupferlegierungen wiederum behandelt man mit einem speziellen Hemmstoff. Das Mittel geht mit dem Kupfer eine feste Verbindung ein. Das bremst die Korrosion.

Besonders schnell löst sich organisches Material wie Holz und Papier auf. Möbel, Wandverkleidungen, Treppen, all das ist von der „Titanic“ verschwunden. Trotzdem zeigt die Ausstellung Notizen, Karten und Kleidung.

Wie ist das möglich? „Sie wurden in geschlossenen Lederkoffern und -börsen gefunden“, sagt Lincke. Wissenschaftler vermuten, dass die Gerbstoffe die Bakterien fernhielten. Die Herausforderung: Organische Meeresfunde zerfallen außerhalb von Wasser – das Nass füllt die Zellen und stützt die Struktur. Eine schonende Trocknung ist deshalb das A und O. „Außerdem gibt es die Möglichkeit, Polyethylen-Glykol zu injizieren“, so Lincke. Das wasserlösliche Wachs tritt in die Hohlräume anstelle des Wassers.

Die Restauratorin betont jedoch: „Keine Technik hält den natürlichen Zerfall auf. Wir verlangsamen ihn nur.“ Lincke hat auch ein wachsames Auge auf die Vitrinen der „Titanic“-Relikte. Hier kommt es auf das optimale Klima an. In jeder Box liegt für Besucher unsichtbar Trocknungsmittel (Silica-Gel) aus. Die Struktur der Kügelchen ist hochporös und bindet Luftfeuchtigkeit.

Fakten

Ausstellung: Echte Funde, wahre Schicksale

  • Die Schau „Titanic – Die Ausstellung. Echte Funde, wahre Schicksale“ im Historischen Museum der Pfalz Speyer läuft bis 28. Juni.
  • Nachbauten lassen das Leben auf dem Schiff lebendig werden.
  • Experten-Vorträge runden das Programm ab: Am 2. Mai geht es um die Bergung und Konservierung von „Titanic“-Artefakten.
  • Mehr im Internet unter museum.speyer.de

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