Beispiel Hannover

Damit Einwanderer hier gut arbeiten können


Hannover. Fachkräftemangel in Deutschland, aber Wirtschaftskrise und insbesondere hohe Jugendarbeitslosigkeit in weiten Teilen Südeuropas – der Gegensatz könnte nicht größer sein. Inzwischen startet man vielerorts neue Projekte, um Zuwanderern eine Chance zu geben. Und in Hannover, sagt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, ist man „Vorreiter“.

Die dortige Industrie- und Handelskammer (IHK) kümmert sich derzeit um 30 junge Spanier, die in Firmen in Hannover und Göttingen ein mehrwöchiges Praktikum absolvieren. „Deutschland braucht dringend Fachkräfte“, weiß die Ministerin, „und diese Jugendlichen brauchen eine Ausbildung und eine Zukunft.“

Zudem kümmert sich die IHK, um Zuwanderern aus Spanien und Krisenländern den Weg zu ebnen,  auch um die Anerkennung ihrer Abschlüsse. Über 1.000 Menschen hat die im Herbst 2011 gegründete „Anerkennungsberatungsstelle“ mittlerweile informiert. Seit rund einem Jahr vergibt die IHK auch Anerkennungsbescheide; es sind schon weit mehr als 100. Von der Leyen überreichte jetzt einige Bescheide persönlich.

10.700.000 Einwohner Deutschlands sind woanders geboren

Sie betonte: „Hochqualifizierte Menschen mit Migrationshintergrund konnten bisher oft nur weit unter ihrer Qualifikation arbeiten. Aber das ändert sich.“ Laut Statistischem Bundesamt ist jeder achte Einwohner im Ausland geboren: 10,7 Millionen, darunter 5 Millionen mit deutschen Pass. Marco Cortona (37) hat die ersten acht Jahre seines Lebens in Hannover verbracht. Dann ging es in die italienische Heimat der Eltern: In Assisi besuchte er die Schule, lernte Elektroanlagenmonteur, fand seinen ersten Job – doch die Zukunft sah er nicht in Italien.

1998 kehrte er nach Hannover zurück, fand eine Stelle als Elektrohelfer, später als Elektroinstallateur. „Ich möchte mich weiterbilden zum staatlich geprüften Elektrotechniker“, berichtet der Familienvater, „dafür brauche ich die Anerkennung meines italienischen Abschlusses.“

Jasmin Memic (40) aus Bosnien-Herzegowina hatte dort Chemikant gelernt und kam 1992 wegen des Bürgerkriegs nach Deutschland. Er startete als Hilfsarbeiter und arbeitete sich in 20 Jahren zum Vorarbeiter und Vize-Abteilungsleiter hoch. Doch dann setzte die Firma einen Ingenieur auf seinen Posten – wegen der besseren formalen Qualifikation.

Memic fasste einen Entschluss: Auch er will sich weiterbilden. Dafür braucht er die Anerkennung seiner Ausbildung in Ex-Jugoslawien. „Stolz“ sei er auf seine Urkunde, sagt der Vater von zwei Töchtern, „aber das reicht mir nicht, das ist erst der Anfang.“

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