Autozulieferer

Damit die PS auch auf die Straße kommen


Pirelli-Entwickler suchen nach Lösungen für die Reifen von morgen

Höchst (Odenwald). Thomas Michel, der Entwicklungschef von Pirelli Deutschland, schaut ungern in den Rückspiegel. Sein Blick geht nach vorn. „Uns bleiben zwei Jahre Zeit, wenn wir Glück haben drei“, sagt er. Was er meint: So lang ist heutzutage die Entwicklungsdauer eines neuen Reifens.

Oder so kurz. Denn was sich komfortabel anhört, ist Stress pur. Michel nimmt es sportlich: „Wenn die Autobauer ein neues Modell auf den Markt bringen, dann sind wir mit den anderen Wettbewerbern am Start.“ Meist gehen alle sechs großen Reifen-Hersteller ins Rennen um die sogenannte Freigabe vom Erstausrüster. Am Ende gewinnen meistens zwei, maximal drei.

Die Auto-Hersteller verlangen viel

Am Ende eines Projekts werden die Pirelli-Entwickler mit einer Freigabe der weltweiten Auto-Hersteller belohnt, dann beginnt die Serienherstellung.  Und manchmal ist die Serie vergleichsweise klein: Sieger wurde Pirelli zum Beispiel beim Aston Martin One-77, einem Supersportler, 700 PS stark, kompromisslos getrimmt. Damit die Motorleistung auch auf die Straße kommt, ist der 1,5  Tonnen schwere Brite vorne auf 255er- und hinten auf 335er-Reifen unterwegs. Den Spurt von 0 auf 100 Stundenkilometer schafft er in 3,5 Sekunden. Die Spitzengeschwindigkeit: 320! Geplant sind 77 Fahrzeuge, sie sollen pro Stück weit über 1 Million Euro kosten.

Ob Bentley, Ferrari oder Porsche – fast alle klangvollen Namen der Branche gehören zur Kundschaft; die wichtigs­ten Auftraggeber sind Mercedes, BMW, Audi und Porsche. Das Anforderungsprofil, das die Autobauer den Reifenherstellern mit auf den Weg geben, ist nicht selten so dick wie ein Telefonbuch.

„Wichtig ist die enge Zu­sammenarbeit mit den AutoHerstellern“, sagt Entwicklungschef Michel. „Gemeinsam nehmen wir die Prüfungen vor und besprechen jeden einzelnen Entwicklungsschritt.“ Stichwort „Grüner Reifen“: Derzeit wird fieberhaft versucht, den Sprit-Durst der Fahrzeuge zu senken. Neuartige Gummi-Mischungen helfen, den sogenannten Rollwiderstand des Reifens zu senken.

Am Ende entscheidet der Mensch

Je höher der Rollwiderstand, desto größer ist die Haftung auf dem As­phalt. Das ist gut für die Fahrsicherheit und den Bremsweg – aber schlecht für den Spritverbrauch. Natürlich soll der Vorteil, den ein verringerter Rollwiderstand für den Verbrauch bringt, nicht durch Abstriche bei der Sicherheit erreicht werden. Die Quadratur des Kreises – als besondere He­rausforderung für die PirelliTechniker.

Irgendwo auf der Welt ist immer ein Pirelli-Team auf Testfahrt. Ist bei uns Sommer, werden Winterreifen in Neuseeland auf Herz und Nieren geprüft. Dabei ist der Computer immer mit an Bord und hält jede Fahreigenschaft des neuen Reifens fest. Mikrofone lauschen am Streckenrand nach Rollgeräuschen.

Am Ende aber entscheidet der Mensch: Die Testfahrer spüren jede noch so kleine Reaktion in den Fingerspitzen am Lenkrad. Ihr Gehör konzentriert sich auf die Fahr­akustik. „Das sind absolute Spezialisten“, sagt Michel.

„Die spüren sofort, wenn der Reifen die Eigenschaften verändert.“

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Schlagwörter: Verkehr

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